Liebe Mitglieder, liebe Freunde des Fördervereins NEUE UFER e.V.,
es gibt einen besonderen Anlass für diesen neuen Mitgliederbrief: Die Pleiße-Öffnung hat wieder mal einen Preis gewonnen! Diesmal ist es der "Renault Traffic Design Award", also ein Preis, bei dem es um die gute Gestaltung von Verkehrsanlagen geht. Darunter versteht man eigentlich vor allem Straßen, Autobahnen, Flughäfen, Bahnhöfe und Brücken. Und tatsächlich wurden bisher schon der Leipziger Hauptbahnhof und die Neubauten des Flughafens Leipzig-Halle durch Renault ausgezeichnet.
Dass dem Automobilhersteller aber nicht nur der Verkehr im engeren Sinn wichtig ist, hat er dadurch bewiesen, dass in diesem Jahr die Großstädte gute Beispiele für innerstädtische Raumgestaltungen einreichen konnten. Da hat Leipzig die Pleiße-Freilegung eingereicht und vor Karlsruhe und Düsseldorf den 1. Preis gewonnen.
Ein weiteres erfreuliches Ereignis ist die Auszeichnungder Abiturienten Jost Arnold und Christian Schäfer aus Taucha mit dem 1. Preis im bundesweiten Umwelt-Multimedia-Wettbewerb des "Virtuellen Umweltbildungszentrums" mit dem Thema Pleißefreilegung.
So viel für heute.
Viele Grüße, frohe Weihnachtsfeiertage und ein gesundes Neues Jahr
Niels Gormsen
Der Elstermühlgraben (II) Fortsetzung aus Mitgliederbrief 09/03
Die Öffnung des Elstermühlgrabens ist in drei Bauabschnitten geplant:
1. Abschnitt zwischen Thomasiusstrasse und Rosentalgasse/Jacobstraße einschl. Neuerrichtung des Angermühlenwehres
2. Öffnung im Bereich Schreberbad einschl. Brücke Friedrich-Ebert-Straße und der Errichtung eines Stadthafens
3. Öffnung im Bereich Friedrich-Ebert-Straße bis Thomasiusstraße
Im Bereich der Jahnallee soll im Zuge des Straßenausbaus der Abschnitt des Elstermühlgrabens, der heute von der Thomasius-straße bis Jacobstraße in einer Wölbleitung fließt, zugunsten eines attraktiven Stadtbildes auf die südliche Seite der Jahnallee verlegt, geöffnet und in die Gesamtplanung des Straßenraumes einbezogen werden. Ein Erhalt der jetzigen Wölbleitung ist wegen der zum Teil geringen Überdeckung und damit begrenzten Tragfähigkeit nicht möglich.
Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt daher auch im Rahmen der Umgestaltung der Jahnallee und ist ein Teil der infrastrukturellen Maßnahmen zur Fußball WM, die bis zum Jahr 2006 umgesetzt werden sollen.
Mit dem Ausbau des Elstermühlgrabens kann das Wasser der Weißen Elster über diesen bis hinter das Klärwerk Rosenthal geführt werden und somit einen Beitrag für die Regulierung des Geschiebetransportes und damit zur Revitalisierung des Elster-beckens leisten. Mit der vollständigen Öffnung der Mühlgräben ist die Durchgängigkeit der Gewässer für Geschiebe, Schwebstoffe und Organismen gewährleistet.
In morphologisch nicht durchlässigen Gewässern finden in einzelnen Flussabschnitten ausgeprägte Sedimentationsprozesse statt. Diese Sedimente beeinflussen sowohl die Beschaffenheit des Gewässers durch Rücklösungs- und Resuspensionsprozesse als auch das schadlose Abführen von Hochwässern ungünstig. Stabilisieren lässt sich der Sedimenthaushalt langfristig nur, indem die vollständige Öffnung und die morphologische Durchgängigkeit des Fließgewässers wieder hergestellt wird. Unter Beibehaltung der bestehenden Verrohrung DN 1500 muss aufgrund der hydraulischen Verluste in der Rohrleitung der Abfluss bei Hochwasser auf 1,9 m³/s anstatt 15 m³/s (bei vollständig geöffnetem Gewässer) reduziert werden. Dies bedeutet, dass ein ungehinderter Hochwasserabfluss nicht möglich ist und sich Sedimentationsprozesse in den geöffneten Abschnitten einstellen, die sich ähnlich wie im Elsterbecken gestalten und sehr hohe Unterhaltungskosten erfordern.
Auch für eine positive Entwicklung der Fließgewässer im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie und den Erhalt des Elsterbeckens für die Olympiade 2012, ist ein leistungsfähiger Ausbau der Elsterbeckenumgehung erforderlich. Hierbei ist die Öffnung des gesamten Elstermühlgrabens und die Herstellung der Durchgängigkeit des Gewässers für Geschiebe, Schwebstoffe und Organismen zwingend erforderlich.
Darüber hinaus ist die Öffnung des Elstermühlgrabens ein wichtiger Baustein des Gewässerverbundes der Region Leipzig. Mit der Umsetzung dieser Maßnahme kann die Innenstadt Leipzigs an das Wasserstraßennetz direkt angebunden werden. Positive Impulse werden auch im Bereich der Käthe-Kollwitz-Straße / Friedrich-Ebert-Straße erwartet, wo die Errichtung eines Stadthafens ein Bindeglied des Bootsverkehrs zwischen der Leipziger Innenstadt und dem Südraum, sowie dem westlichen und nördlichen Umland werden soll. Dies erschließt der Stadterneuerung in diesem Problemgebiet einzigartige Möglichkeiten. Das wirtschaftliche Potential des Gewässerverbundes wird in diesem urbanen Raum besonders spürbar werden, da neben dem Entstehen einer nautischen Infrastruktur mit der Ansiedlung von wasserrelevantem, standortgerechtem Gewerbe so z. B. Bootswerkstätten, Segelmachern und Dienstleistern aller Art, gerechnet wird.
Im Planungsprozess ist zu berücksichtigen, dass die Öffnung und Entschlammung der Mühlgräben und die damit einhergehende Wiederherstellung leistungsfähiger Fließgewässer nachhaltige Auswirkungen auf den Gewässerknoten Leipzig mit sich bringen können und im engen Zusammenhang mit der Gestaltung des Elsterbeckens zu sehen sind. Die Gewässer der Stadt Leipzig und insbesondere das Elsterbecken, der Elstermühlgraben, die Stadtelster sowie die Flutbetten sind gegenwärtig von enormen Schlammablagerungen betroffen. Messungen haben ergeben, dass jährlich etwa 26000 m³ Schwebstoffe den Leipziger Gewässerknoten erreichen, die sich etwa zur Hälfte absetzen und neben demGeschiebe einen Großteil der Ablagerungen bilden.
Wolfgang Klinnert
Fortsetzung folgt im nächsten Mitgliederbrief)
Entwurfsplanung zum Bauabschnitt Grassistraße vorgestellt
Sechs Schüler aus der Petrischule machten sich am 7.Okto-ber mit Bandmaß, Absperrband und Farbspray hinter dem Wohnblock Grassistraße 25-33 zu schaffen: sie markierten den künftigen Verlauf des Pleißemühlgrabens auf dem Gelände. Anschließend wurde bei dem Bürgerforum die Entwurfsplanung für den Bauabschnitt Grassistraße (zwischen Wundtstraße und Paul-Gruner-Straße) durch die beauftragten Büros öffentlich vorgestellt. Etwa 30 Anwohner, vor allem aus dem Wohnblock Grassistraße 25-33 drängten sich im Seitenraum des Treppenhauses, um zu erfahren, was nun konkret auf sie zukommt. Während bei vorangegangenen Bürgerforen teilweise grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten zur generellen Frage der Öffnung des Pleißemühlgrabens ausgetragen wurden, konzentrierten sich die Fragen diesmal eher auf die bevorstehende Bauphase und die dabei entstehenden Belästigungen. Die vorgestellten Entwürfe fanden überwiegend Zustimmung. Eine nächste Veranstaltung ist mit Vorlage der Ausführungsplanung kurz vor Baubeginn vorgesehen.
Der erste Spatenstich soll im März 2004 erfolgen.
Ralf Elsässer
Umwelt-Multimedia-Wettbwerb
Die Zwölftklässer Jost Arnhold und Christian Schaefer des Tauchaer Geschwister-Scholl-Gymnasiums holten einen ersten Preis im bundesweiten "Umwelt-Multimedia-Wett-bewerb", der von Jörg Kachelmann überreicht wurde. Unter dem Thema "H2O" untersuchten sie die Freilegung des Pleißemühlgrabens in Leipzig. Sie bauten ein Modell, wie sie sich das Ufer zwischen Humboldtstraße, Rosentalgasse und der Lortzingstraße vorstellen. Neu gestaltete Häuser, Grünflächen und eine rustikale Bar direkt am Wasser gehörten dazu. Zur Belohnung verbringen die zwei Schüler eine Woche am Chiemsee. Dieser Preis wurde ausgeschrieben vom "Virtuellen Umweltbildungs-Zentrum" welches man im Internet unter www.vuz-web.de findet.Die Arbeit war ein Element des fachübergreifenden Wahl-grundkurses am Tauchaer Gymnasium für eine "nachhaltige Stadtentwicklung", deren wissenschaftliche Begleitung in den Händen des Projektteams Umweltbildung an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig liegt. Die wichtigsten Inhalte der Projektarbeit können unter www.pleissefreilegung.de.vu abgerufen werden.
Wieder ein Preis für die Pleiße!
Die Automobilfirma RENAULT schreibt seit vier Jahren einen Preis aus unter dem Titel "Renault Traffic Design Award". In diesem Jahr konnten sich erstmals Städte mit über 100 000 Einwohnern bewerben mit innovativen Lösungen für die Stadtgestaltung. Die Stadt Leipzig, vertreten durch das Planungs- und Baudezernat, hat dazu die Freilegung des Pleißemühlgrabens eingereicht. Und siehe da: damit gewann sie den 1. Preis!
Die Auszeichnungen wurden im Berliner Zeughaus vor einem großen Publikum überreicht. Architektin Angela Wandelt, eine der Initiatoren der Pleißeöffnung, Stadtbaurat Dr. Engelbert Lütke Daldrup und Niels Gormsen, unser Vorsitzender, nahmen die 30 cm hohe Edelstahlplastik und die Urkunden entgegen. Die Laudatio hielt Professor Thomas Sievers, der Vorsitzende des Preisgerichts.
Mitbewerber um diesen Kommunalen Preis waren 15 Großstädte. "Anerkennungen" wurden an Karlsruhe und Düsseldorf vergeben, also für den 2. und 3. Platz :Karlsruhe für die Wiederherstellung des Alleenkonzeptes von Friedrich Weinbrenner aus dem frühen 19. Jahrhundert, Düsseldorf für das Programm "Platz da!", durch das in der Stadt neue Plätze gestaltet werden.
Der Vorstand ist über diese neuerliche Auszeichnung sehr erfreut und sieht darin eine Bestätigung unseres Konzepts, durch die Freilegung der verschütteten Mühlgräben einen wichtigen Beitrag zur Stadtqualität zu leisten. Er hofft, dass dadurch unsere Bemühung um weitere Freilegungsabschnitte eine zusätzliche Unterstützung in der Stadtpolitik erfahren.
Renault Traffic Design Award 2003
Wortlaut der Verleihungsurkunde für den Sonderpreis Kommunen über 100 000 Einwohner Öffnung des Pleißemühlgrabens
Architekten: Architekturbüro Angela Wandelt, LeipzigIngenieurbüro für Siedlungswirtschaft und Tiefbau, LeipzigBauherr: Stadt Leipzig, Dezernat Stadtentwicklung und BauDezernat Umwelt, Ordnung und Sport
Leipzig ist eine Stadt mit Flüssen und Kanälen - nur war davon seit den 1960er Jahren nichts mehr zu sehen. Sie wurden als Abwasserkanäle benutzt, gedeckelt und den Verkehrsflächen zugeschlagen. Die Aktion "Pleiße ans Licht" von Umweltschützern, Künstlern und Studenten im Herbst 1990 leitete ein Umdenken ein: Bürgerengagement mündete in Stadtpolitik zur Freilegung und städtebaulichen Gestaltung der Wasserläufe.
Seit fast zehn Jahren arbeitet die Stadt zusammen mit Pla-nungsbüros und dem Verein "NEUE UFER" an der Öffnung des Pleißemühlgrabens in fünf Bauabschnitten; mit dem Elstermühlgraben geht es im nächsten Jahr weiter. Die Bauabschnitte repräsentieren sehr unterschiedliche städtebauliche Situationen: Kanal als seitlicher Bestandteil einer hochbelasteten Hauptverkehrsstraße, in internen Ruhezonen bisheriger ‚Hinterhofbereiche' und in repräsentativen und Gebäuden vorgelagerten Platz- und Grünbereichen.
Die Jury beeindruckten die wassertechnischen, grünplanerischen und straßenraumgestalterischen Interpretationen dieser sehr verschiedenen Situationen mit neuen Wegebeziehungen für Fußgänger und Radfahrer, die gediegene Detailbearbeitung der Stege, Beläge, Geländer und Beleuchtung mit eigener Nachtwirkung und die schwierige Umsetzung unter Beteiligung vieler Interessen und Eigentümer. Das Projekt "Öffnung der Wasserläufe" braucht einerseits sehr langen Atem und dankt dies andererseits durch gesamtstädtische Bedeutung und neue Identifikation.
Der Renault Traffic Design Award für die Stadt Leipzig und die beteiligten Bürosstellvertretend genannt sei das mit der künstlerischen Oberleitung beauftragte Architekturbüro Angela Wandeltwürdigt eine besondere Leistung und soll anderen Mut machen im Umgang mit Wasser in der Stadt.