Liebe Mitglieder, liebe Freunde des Fördervereins NEUE UFER e.V.,
eine lange Zeit ist vergangen seit unserem letzten Brief. Heute wollen wir über das berichten, was seit einem Jahr geschehen ist.
In Bezug auf die Freilegung des Pleißemühlgrabens hat sich etwas richtig Neues nicht getan. Jedoch die Öffnung des Abschnittes an der Grassistraße kann Anfang 2004, wie geplant, beginnen. Zusammen mit der Bevölkerung, mit Schülern und Studenten wurde viel geplant und überlegt. Die Umsetzung unserer Pläne kostet doch ziemlich viel Geld, das der Verein allein nicht aufbringen kann. Ohne die Stadt lässt sich das nicht realisieren - auch wenn die Deutsche Bundesstiftung Umwelt mit einem großen Betrag mit finanziert.
Wir merken auch, dass die Stadt mit ihren Mitteln sehr sparsam umgehen und Prioritäten setzen muss. Und da steht die Pleiße eben nicht an der ersten Stelle! Deshalb wird die Pleißeöffnung an der Beethoven-/Riemannstraße im Zusammenhang mit dem Bau der Tiefgarage, obwohl schon 2003 vorgesehen, wahrscheinlich leider erst Anfang 2004 begonnen werden können.
Wir sind auch an den Vorüberlegungen zur Öffnung des Elstermühlgrabens als Teil des Hochwasserschutzes zwischen Schreberbad und Jahnallee beteiligt. Den ersten Teil eines Berichts zu diesem Thema haben wir hier mit aufgenommen. Dazu wollen wir nächstens einen Workshop veranstalten, über den wir besonders informieren werden.
So viel für heute! Viele Grüße
Niels Gormsen
Der Elstermühlgraben (I) Bericht in 3 Fortsetzungen
Vor dem Abschluss der Regulierungsarbeiten an der Weißen Elster und dem Bau des Palmgartenwehres im Jahre 1912 floss die Elster im jetzigen Bett des Elstermühlgrabens bis in Höhe des Schreberbades. Am dort befindlichen "Hochzeitswehr" teilte sich die Weiße Elster in den Elstermühlgraben und in die "Alte Elster". Der Elstermühlgraben wurde ursprünglich zum Betrieb der Angermühle (Jahn-Allee/Ecke Jacobstraße) als angestautes Gewässer im offenen Gerinne geführt.
Nach 1879 wurde der Ranstädter Steinweg (heutige Jahn-Allee) zu einer Verkehrsmagistrale ausgebaut und der Elstermühl- graben im gesamten Bereich des Ranstädter Steinweges über- wölbt und in den Jahren 1961-64 ab dem Schreberbad bis zur vorhandenen Wölbleitung verrohrt.
Diese 665m lange Rohrleitung unterquert die Friedrich-Ebert- Straße, verläuft entlang der Carl-Maria-von-Weber-Str., unterquert wiederum die Elster-, Lessing- und Thomasiusstr., bis sie unmittelbar vor der Jahn-Allee in eine 330 m lange Wölbleitung mündet. Der Elstermühlgraben fließt dann entlang der nördlichen Straßenbegrenzung der Jahnallee in Richtung Natur- kundemuseum und fließt nach Unterquerung der Jacobstraße wieder als offenes Gerinne zwischen Waldstraßenviertel und Rosental in nordwestliche Richtung und mündet nach ca. 2950m in die Weiße Elster.
Schon 1994 wurde durch die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Leipzig der Rahmenplan zur Offenlegung der Leipziger Mühlgräben als Planungsgrundlage beschlossen, der die Öffnung des Gewässers als stadtplanerisches Ziel festschreibt. Des weiteren wurde beschlossen, das Konzept durch planungsrechtliche und wasserrechtliche Verfahren sowie durch technische und städtebauliche Planungen weiter zu entwickeln.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Hochwasserereignisse im Südosten Sachsens und zur Umsetzung infrastruktureller Maßnahmen zur Ertüchtigung der Jahnallee für die Fußball-WM 2006, wurde im April 2003 vom Stadtrat die durchgängige Öffnung des Elstermühlgrabens, mit einer Leistungsfähigkeit von ca. 15 m³/s im Hochwasserfall, einschließlich der Errichtung eines Stadthafens beschlossen.
Die Öffnung des Elstermühlgrabens ist in drei Bauabschnitten geplant.
W. Klinnert
Fortsetzung folgt im nächsten Mitgliederbrief)
Schwimmender Garten
Im Rahmen der von Herrn Berninger veranstalteten Kunst aktion "Temporäre Gärten" im Sommer 2001 gaben Andreas Boos, Karsten Hallenbach und Birgit Steinhage Anstoß zu dem "Schwimmenden Garten" im Pleißemühlgraben vor der Kunsthalle der Sparkasse Leipzig. Dieser ist bei der Bevölkerung - und auch bei den Enten samt Nachwuchs - auf recht positive Resonanz gestoßen.
Die schwimmenden Grundkörper waren ja nicht auf eine Dauernutzung ausgerichtet, so dass unser Förderverein eine permanente Lösung anstrebte.
Der neue Entwurf besteht aus mehreren, Blütenblättern nachempfundenen, verschieden geformten und größenmäßig unterschiedlichen Grundkörpern aus luftdicht verschweißten Edelstahl-Schwimmkästen, auf denen in einem Trog grüne und bunt blühende Pflanzen in die Erde eingesetzt werden.
Nicht als Konkurrenz zu den großflächigen Schwimmenden Gärten der Internationalen Gartenbauausstellung in Rostock konnte am 28. Mai 2003 im Leipziger Pleißemühlgraben der erste Teil des Schwimmenden Gartens in Anwesenheit von Bürgermeister Holger Tschense, Vertretern von Funk und Fernsehen sowie interessierten Bürgern und Mitgliedern des Fördervereins NEUE UFER in den Fluss gehievt werden. Dank der tatkräftigen Hilfe vieler Förderer, dem Hauptsponsor Sparkasse Leipzig und der Stadtgärtnerei Leipzig war diese Aktion möglich geworden. Bei musikalischer Begleitung eines kleinen Orchesters nahm die Leiterin des Amtes für Umweltschutz, Angelika Freifrau von Fritsch, die "Taufe" vor und stieg zu diesem Zweck mit Gießkanne "bewaffnet" in den Pleißemühlgraben.
Längst schon haben sich die Pflanzen ausgebreitet und berühren zum Teil das Wasser, die Enten haben Besitz ergriffen, die Passanten bleiben am Geländer stehen und freuen sich über die neue kleine grüne Oase im Herzen der Stadt.
Vielleicht finden sich weitere Sponsoren, die es möglich machen, die blühende Insel zu vermehren?
Stand der Umsetzung des pädagogisch-didaktischen Konzeptes zur Umweltbildung und -kommunikation am Beispiel der Pleißeöffnung
Wie Sie ja sicher wissen, verbirgt sich hinter diesem Titel die Öffnung des Pleißemühlgrabens am 11-geschossigen Wohnblock an der Grassistraße. Am Schüler- und Studentenwettbewerb im vorigen Jahr beteiligten sich über 100 Kinder und Jugendliche. Die Ergebnisse wurden gemeinsam mit Vorschlägen aus Arbeitsgruppen der Bürger zu einer Aufgabenstellung für die Planung zusammengetragen. Sie umfasst neben der Öffnung des Pleißemühlgrabens auch die Gestaltung der Freiflächen bis zu den Grundstücken der benachbarten Bebauung. Das Modell wurde am 4. Dezember 2002 auf einem Bürgerforum vorgestellt. Am 18.03.03 wurde beim Oberbürgermeister der Bau- und Finanzierungsbeschluss gefasst. In der Stadtratssitzung am 21.05.03 wurde dann die Realisierung beschlossen. Am 7. Oktober 2003 wollen wir vor Ort um 1730 Uhr auf einer Bürgerverrsammlung die Entwurfsplanung vorstellen. Im 1.Quartal 2004 wird Baubeginn sein und die Fertigstellung ist im Dezember 2004 geplant.
Der Pleißemühlgraben zwischen Beethoven- und Riemannstraße
Wie in der LVZ hin und wieder berichtet wurde, steht der Bau der Tiefgarage zwischen Beethoven- und Riemann-Straße hoffentlich bald "unmittelbar" bevor. Da in diesem Zusammenhang ja auch der parallel dazu verlaufende Pleißemühlgraben geöffnet wird, konnte unser Verein wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung der Zu- und Abfahrten zur Tiefgarage, zur Gestaltung der Grünfläche im Zusammenhang mit der Uferzone nehmen. Ein Ideenwettbewerb, den wir gemeinsam mit dem Musikviertelverein und dem Stadtplanungsamt veranstalteten, brachte die Grundlagen für die weitere Planung.Das sind:
- Erschließung der Tiefgarage über Beethovenstraße,
- Terrassierung der Uferzone zur Freifläche und
- durchgängige Freifläche vom Pleißemühlgraben bis zum Neubau der Uni.
Nun warten wir auf den Baubeginn.
Literaturempfehlung
NEUE UFER - DAS PROJEKT
3. aktualisierte Auflage (Stand 27.02.03) 6 A 4 -Faltblatt dient insbesondere der Repräsentation des Fördervereins. Kostenfrei erhältlich in unserer Geschäftsstelle
NEUE UFER Nr. 6
erschien 2001 (A 4, 80 Seiten). Wie alle Hefte dieser Reihe ist die Nummer 6 von Heinz-Jürgen Böhme und Thomas Liebscher hervorragend gestaltet.
Neben Pleiße-Geschichten - Autoren sind Leipziger Bürgerinnen und Bürger - wird u.a. über bestehende Öffnungsabschnitte des Pleißemühlgrabens fachkundig berichtet, über die Geschichte der Pleißelandschaft, den Pleißeverlauf, die Namensgebung von Pleißemühlgraben-Brücken und über zukünftige Öffnungsabschnitte des Pleißemühlgrabens.
Kosten: 8 €, erhältlich in unserer Geschäftsstelle bzw. beim örtlichen Buchhandel.
NEUE UFER - FLURKARTENATLAS FÜR PLESSE- UND ELSTERMUHLGRABEN M. 1:1000
21 Blätter A 4 in Ringbindung Auf der Grundlage des Kartenwerkes des städtischen Vermessungsamtes Leipzig sind die Flurstücke des überwölbten und teilweise wieder geöffneten Pleißemühlgrabens und diese des offenen und verrohrten Elstermühlgrabens in mehrfarbigem Druck dargestellt.
Anforderung bei unserer Geschäftsstelle bzw. Einsicht in zuständigen Ämtern der Stadt.
ALLES IM FLUSS, GEWÄSSERVERBUND REGION LEIPZIG
A 4 Querformat, 42 Seiten (deutsch / englisch) Autoren : Herausgebergemeinschaft unter Federführung Grüner Ring Leipzig u. a. Schriftleitung Dr. habil. Andreas Bergner. Die Broschüre stellt den Gewässerverbund in Leipzig und Umgebung als Realität und Vision in übersichtlicher Art und Weise dar und ist reich bebildert, leider in kleinen Formaten; ein Heft, das die Region Leipzig, seine Wasserlandschaft und wassertouristische Erschließung auch international bekannt machen soll.
Schutzgebühr 2 €, Restexemplare bei Grüner Ring Leipzig
Termine
Bürgerversammlung an der Grassistraße
- Am Dienstag, 07.10.2003, 17.30 Uhr wird bei einer Bürgerversammlung auf dem Pleißemühlgraben die aktuelle Planung zu dem neuen Öffnungsabschnitt zwischen der Wundt- und Grassistraße den Bürgern des Wohngebietes vorgestellt (s. auch vorn).
- Begehung der Wölbleitung des Pleißemühlgrabens Die nächste Führung durch die Wölbleitung des Pleißemühlgrabens wird am Samstag, 18.10.2003 stattfinden, organisiert und durchgeführt von Herrn Schaffrath, Amt für Umweltschutz. Treffpunkt ist 9.00 Uhr und 10.30 Uhr am Einstieg Naturkundemuseum. Anmeldung unter Telefon-Nr.123 1605 oder 123 1635 erforderlich.
Teilnahme an Veranstaltungen (Auszug)
- Am 22.03.2003 veranstaltete das Amt für Umweltschutz, Herr Schaffrath in Verbindung mit unserem Verein, in bewährter Art und Weise eine unterirdische Pleißebegehung
- Einweihung Schwimmender Garten am 28.05.03 s. ums.
- Am 11. Funkenburgfest, das am 28.06.2003 stattfand, nahm auch unser Förderverein teil. Es wurden dabei viele interessante Gespräche geführt und unsere Informations- materialien verteilt bzw. verkauft. Auch beim 3. Leipziger Wasserfest am 16. / 17.08.2003 war unser Verein im neuen Stadtteilpark Plagwitz präsent, wo sich unter anderen unsere partnerstadt Birmingham mit seinen revitalisierten Kanälen vorstellte.