Förderverein Neue Ufer e.V. Leipzig - Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig || www.neue-ufer.de

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Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig


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Liebe Mitglieder, liebe Freunde des Fördervereins NEUE UFER e.V.,
Dieser neue Mitgliederbrief soll Sie über die neuesten Entwicklungen an Pleiße- und Elstermühlgraben informieren. Dabei ist die Entwicklung an der Weißen Elster und am Elstermühlgraben besonders interessant:
Denn diese beiden Fließgewässer gewinnen immer mehr an an Bedeutung im Gesamtkonzept des Leipziger Gewässer-Netzes. Und das besonders wegen des Hochwasserschutzes, der als Folge des Katastrophen-Hochwassers an Elbe und Mulde im Jahr 2002 nun im ganzen Land höchste Priorität hat, so dass nun für alle Flüsse neue Hochwasserschutzkonzeptionen erarbeitet werden. Das Leipziger Konzept wurde kürzlich von der Ratsversammlung beschlossen. Und da beides eng mit den Plänen im Zusammenhang mit der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 steht, kommen diese Projekte schneller voran als bisher gedacht.
Der Pleißemühlgraben gerät dadurch eher in den Hintergrund. Das zeigt sich u.a. darin, dass die städtischen Haushaltmittel, die zur Mitfinanzierung der nächsten Öffnungsabschnitte benötigt werden und im Stadthaushalt stehen, noch immer nicht freigegeben sind. Das betrifft vor allem den Abschnitt Paul-Gruner-Wundtstraße. Wir hoffen, dass dies doch bald geschieht, damit die Bauarbeiten in diesem Jahr nicht nur begonnen, sondern im wesentlichen fertiggestellt werden können. Denn sonst müssen wir befürchten, dass die Mittel der Bundesstiftung Umwelt wieder zurückgezogen werden!
Mit diesem Brief erhalten Sie auch die Einladung zur Mitgliederversammlung. Ich würde mich über rege Beteiligung sehr freuen.
Also: auf bald und viele Grüße !
Niels Gormsen

Mendelssohnufer im Musikviertel
Mit dem geplanten Bau der Tiefgarage zwischen Beethoven- und Riemannstraße, der Freilegung des Pleißemühlgrabens und der Anlage eines terrassierten und begrünten Ufers eröffnen sich in der ehemaligen Gewandhausachse des Musik-viertels neue Perspektiven. In zwei Workshops konnte zu wichtigen funktionalen und gestalterischen Punkten Konsens erreicht werden. Doch zur organischen Einbindung in den Stadtteil gehört noch eine andere Kategorie. So sieht ein in der Publikation NEUE UFER Nr. 6 dargelegtes Konzept für die Brücken des künftig komplett geöffneten Mühlgrabens im Musikviertel eine Neubenennung vor, die sich an den nach Musikern benannten Straßen orientiert: Schumannbrücke, Haydnbrücke, Mozartbrücke und Beethovenbrücke.
Unter diesem übergreifenden Aspekt ist auch für den Abschnitt zwischen Mozart- und Beethovenstraße eine sinnvolle inhaltliche Widmung und eine entsprechende Ortsbezeichnung wünschenswert. Vorgeschlagen wird die Einordnung des standortlosen Denkmals für Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) und der Name Mendelssohnufer. Zur Vorgeschichte: 1936 ließen die Nationalsozialisten aus rassistischen Gründen in einer Nacht- und Nebelaktion das 1892 von Werner Stein geschaffene Mendelssohn - Denkmal vor dem Gewandhaus entfernen, was den Rücktritt des damaligen Oberbürgermeisters Goerdeler zur Folge hatte. Als deutliches Bekenntnis wurde am 4. November 1947, dem 100sten Todestages des Musikers, vor der Gewandhausruine exakt am Standort des alten, ein neues Mendelssohn - Denkmal enthüllt. Die Porträtstele schuf der Bildhauer Walter Arnold. Vor dem Abbruch des Gewandhauses erfolgte 1967 die Notumsetzung in die Fritz-von-Harck-Anlage. Seit Beginn der Umgestaltung der Anlage befindet sich das Denkmal im Mendelssohn - Haus in der Goldschmidtstraße. Mit der Einbeziehung dieses Denkmals, das im Kontext zur Gewandhaus-Gedenktafel am Geisteswissenschaftlichen Zentrum steht, ist eine Akzentuierung der Freifläche sowie die würdige Wiederherstellung lokalhistorischer Zusammenhänge erreichbar : Ehrung des Komponisten, Gewandhauskapellmeisters und Mitbegründers des Leipziger Konservatoriums und Erinnerung an die kulturpolitisch bedeutende Denkmalgeschichte selbst. Die vorgeschlagene und vom Kulturamt der Stadt Leipzig mitgetragene Bezeichnung Mendelssohnufer ist sowohl der angestrebten Anlagenstruktur wie auch dem ideellen Anspruch des Standortes im Zentrum des Musikviertels angemessen.
Heinz-Jürgen Böhme

KURZ BERICHTET

Eine Bootsfahrt vom Pleißemühlgraben in den Cospudener See
soll voraussichtlich schon Ende 2005 Wirklichkeit werden, zumindest vom Wölbschleusen- Einlaufbauwerk (nahe Kurt-Eisner-Straße-B 2/B 6) über Pleiße - Floßgraben - Waldbad Lauer.
Die Entschlammung und Vertiefung des Floßgrabens zwischen S 46 (Brückenstraße/Ziegeleiweg und Pleiße werden im Jahr 2004 abgeschlossen. Die Arbeiten wurden sehr umweltfreundlich mit Transport der Aushubmassen in Schuten und in Rohrleitungen durch eine leider Insolvenz angemeldete Firma aus Burg/Spreewald ausgeführt. (Die Straßenbrücke der S 46 über den Verbindungskanal Waldbad Lauer-Floßgraben wird durch die LMBV voraussichtlich ab 2004 errichtet.) Das kombinierte Schleusen- und Auslaufbauwerk zwischen Cospudener See - Waldbad Lauer soll Ende 2005 in Betrieb gehen (lt. Regierungspräsident Walther Christian Steinbach und Tagebausanierer LMBV). Damit wären die Voraussetzungen für die angekündigte Bootsfahrt gegeben.

Der Baubeginn am Öffnungsabschnitt Paul-Gruner-Straße
ist mit der Baumfällung erfolgt. Die Bewohner der Grassistraße 25 - 33 und alle interessierten Bürger wurden am 31. März dieses Jahres zur Vorstellung der Ausführungsunterlagen eingeladen. Dort musste auch mitgeteilt werden, dass wegen der Haushaltsperre der Stadt die für diesen Abschnitt vorgesehenen Mittel noch nicht freigegeben wurden. Deshalb ist z.Z. ungewiss, wann es wirklich weitergeht !

Der 1. BA zur Offenlegung des Elstermühlgrabens
(wie im Mitgliederbrief Dezember 2003 "Der Elstermühlgraben (II)" beschrieben ) soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Die Stadt plant, in der vorderen Jahn-Allee (ehemaliger Ranstädter Steinweg) den offenen Flußlauf auf die Südseite in den Bereich der jetzt vorhandenen Grünanlagen zu verlegen. Damit wird die Voraussetzung für den 2005 vorgesehenen Umbau der Jahnallee und für den Anschluß des dann umgebauten Goerdelerringes geschaffen.

Die Ausstellung "Wasser in der Stadt"
wird gegenwärtig vorbereitet und soll in der Vorhalle der Dresdner Bank am Dittrichring aufgestellt werden. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

Das Gewässerkonzept für besseren Hochwasserschutz
der Stadt Leipzig wurde auch unter Mitwirkung unseres Vorsitzenden, Niels Gormsen , am 23.03.04 im Bootshaus am Klingerweg in einem Bürgerforum vorgestellt. Vertreten waren u.a. Bürgermeister Holger Tschense und Axel Bobbe, Leiter der Talsperrenmeisterei Rötha. Dieses Thema wird uns noch lange beschäftigen.

Die Lichtstelen leuchten wieder blau !
Über die Lichtstelen an der Harkortstraße gab es Streit, der bis Anfang 2004 nicht behoben wurde: Die Landesdenkmalpfleger und das Bundesverwaltungsgericht haben die Stelen abgelehnt, weil sie den Blick auf das Gerichts-gebäude beeinträchtigen.
Allerdings haben sich viele Passanten im Auto und zu Fuß über das blaue Licht, das in der Nacht den Flusslauf markiert, erfreut. Sie wurden enttäuscht, als 2002 das blaue Licht gegen weißes ausgetauscht wurde. Dadurch ist die ursprüngliche Idee verloren gegangen. Die Bemühungen unseres Vereinsvorstandes, den Urzustand wieder herzustellen, hatten lange Zeit keinen Erfolg. Bis der Präsident des Bundesverwaltungsgerichts (BVG) bei seiner Jahrespressekonferenz im Februar 2004 u.a. sein Missfallen über die Stelen ausdrückte und vorschlug, sie an einen anderen Ort zu versetzen - nämlich an die Jahnallee, die in nächster Zeit umgestaltet werden soll.
Das löste eine Flut von Leserbriefen an die LVZ aus. Und darauf hin hat die LVZ am 19. Februar eine TED-Umfrage veranstaltet, bei der man durch Telefonanrufe an bestimmten Nummern mitteilen konnte, ob man dafür ist, dass die Stelen an einen anderen Ort versetzt werden, oder an ihrem Platz bleiben und wieder blau strahlen sollen, oder dass alles so bleiben soll wie es ist.
Fast 75% der Anrufer haben dafür plädiert, dass die Stelen an ihrem Ort bleiben und wieder blau leuchten. Darauf hin hat der Oberbürgermeister nach einer Abstimmung mit dem BVG entschieden, dass das blaue Licht wieder installiert wird.
Das war eine echte basisdemokratische Entscheidung!
Wir haben nun noch vorgeschlagen, das blaue Licht auch am Tag bei Helligkeit eingeschaltet zu lassen, damit - so hoffen wir - die schwarzen Stelen, die doch manchen Passanten stören, auch tagsüber etwas aufzuhellen und den optischen Bezug zum Pleiße-Wasser erkennbar zu machen.
Niels Gormsen
Gekürzt aus NEUE UFER Heft Nr. 7, das bald erscheinen wird.

Der Elstermühlgraben (III) Fortsetzung aus Mitgliederbriefen 09/03 und 12/03
Die Gewässer der Stadt Leipzig und insbesondere das Elsterbecken, der Elstermühlgraben, die Stadtelster sowie die Flutbetten sind gegenwärtig von enormen Schlammablagerungen betroffen. Messungen haben ergeben, dass jährlich ca. 26.000 m³ Schwebstoffe den Leipziger Gewässerknoten erreichen, die sich etwa zur Hälfte absetzen und neben dem Geschiebe ein Großteil der Ablagerungen bilden.
Die Sedimentablagerungen resultieren aus den Veränderungen des Gewässerknotens seit der Errichtung des Elsterbeckens. Seit dieser Zeit verschwanden kontinuierlich die teils natürlichen, gewässertypischen kleineren Flussabschnitte, sei es durch vollständige Verfüllung, Überwölbung, Verrohrung oder durch die Funktionsuntüchtigkeit von Wehranlagen. Die permanente Höherbeaufschlagung der ursprünglich für den Hochwasserschutz angelegten Flutbetten war die unmittelbare Folge dieser Entwicklung.
Aus diesen Ablagerungen resultieren erhebliche Defizite: - eingeschränkter Hochwasserschutz bzw. ein erheblicher finanzieller Aufwand zur Gewährleistung des Hochwasserschutzes durch permanente Entschlammung
- eingeschränkte Gewässernutzung durch geringe Wassertiefen
- ungünstige Wasserbeschaffenheit insbesondere bei sommerlichem Niedrigwasser
- Sohlerosion und Eintiefung der Neuen Luppe aufgrund des Geschiebehungers des im Elsterbecken abgeklarten Wassers und damit verbundene Grundwasserabsenkung in der Luppenaue
Weiterhin wirken sich die Sedimentablagerungen nachteilig auf die Wassergüte sowie die Gewässernutzung aus und stellen zu-dem eine erhebliche Störung des natürlichen Schwebstoff- und Geschiebehaushaltes der Weißen Elster und Pleiße dar. Dauerhaft kann der Sedimentationsproblematik und den daraus resultierenden Einschränkungen hinsichtlich des Hochwasserschutzes, der Wassergüte, der Gewässerökologie und der Gewäs-sernutzung nur begegnet werden, indem die Durchgängigkeit für Geschiebe und Schwebstoffe wieder herstellt wird. Gleichzeitig dürfen die Gewässerstrecken nur entsprechend ihrer eigentlichen Charakteristik oder ursprünglichen Bestimmung beaufschlagt werden. Das Elsterbecken muss somit im Normalfall vom Abfluss abgetrennt und darf erst bei Hochwasser beschickt werden. Realisierbar wird dies nur durch die Wiederherstellung einer leistungsfähigen Elsterbeckenumgehung, über die im Niedrigwasser- bis mittleren Hochwasserfall das Wasser von Elster und Pleiße abgeführt werden kann.
Die gegenwärtige Konstellation des Gewässerknotens bietet keine Durchgängigkeit für Geschiebe sowie eine nur sehr eingeschränkte Durchgängigkeit für Wasserorganismen und die im Wasser enthaltenen Schwebstoffe. Der planmäßige Hochwasserschutz (Bemessungshochwasser Weiße Elster BHQ150 = 580 m³/s und Pleiße BHQ100 = 80 m³/s, insgesamt also 660 m³/s am Palmengartenwehr) ist u. a. durch die Verschlammung des Elsterbeckens nicht mehr gewährleistet. Daraus resultiert insbesondere die Gefahr von Ausuferungen am Elsterbecken im Bemessungshochwasserfall.
Die unterschiedlichen Nutzungsansprüche und Nutzungsvorstellungen sowie die Pflichten und Entwicklungsziele, wie Sicherung des Hochwasserschutzes, Stadtentwicklung und Wassertourismus, der Erhalt der Wasserfläche des Elsterbeckens und das mittel- bis langfristige Ziel einer guten Gewässerbeschaffenheit sowie die Einbindung des Leipziger Gewässerknotens in den entstehenden Gewässerverbund erfordern eine Integration all dieser Aspekte in einem Gesamtkonzept für den Gewässerknoten Leipzig.
Wolfgang Klinnert

Nachtrag der Redaktion:
Zwischenzeitlich wurde die neue integrierte Gewässerkonzeption für den Gewässerknoten Leipzig erarbeitet und durch die 57. Ratsversammlung bestätigt. In den nächsten Mitgliederbriefen werden wir ausführlich auf die Konzeption eingehen.

 

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