Liebe Mitglieder, liebe Freunde des Fördervereins NEUE UFER e.V.,
in diesem Brief können wir über viel Neues und Interessantes berichten – noch nie wurden in einem Jahr so viele Baustellen in unserem Gewässernetz eröffnet. Das ist sehr erfreulich! Unser Motto „Pleiße ans Licht!“ wird Realität! Nun wurde auch am Elstermühlgraben (EMG) begonnen. Dass dabei das Baudenkmal „Kleine Funkenburg“ abgebrochen werden musste, ist sehr bedauerlich – unsere Vorstandsmitglieder Heinz-Jürgen Böhme und Niels Gormsen haben sich mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Bürgerverein Waldstraßenviertel um seine Erhaltung bemüht, ohne dadurch die Freilegung des EMG zu gefährden – leider erfolglos. Sehr bedeutsam für das entstehende Gewässernetz im Südraum ist die Schleuse am Cospudener See, deren Bau begonnen wurde: durch sie kann man über den Floßgraben, der inzwischen ausgebaggert und für den Bootsverkehr fit gemacht wurde, durch den Auwald bis ins Stadtzentrum schippern. Noch fehlt die Brücke, unter der man die Brückenstraße unterqueren kann. Hoffen wir, dass sie nächstes Jahr gebaut wird! Bei allen erfreulichen Nachrichten darf man nicht übersehen, dass es immer wieder auch Verzögerungen im Bau- und Planungsablauf gibt (meist aus finanziellen Gründen), so auch beim BA 8 (Grassistraße), weshalb dieser Bauabschnitt mit seinen neuen Grünanlagen wohl erst Anfang 2006 fertig werden wird. Um aber den Bauzustand an Ort und Stelle zu zeigen und zu erläutern, wie es weiter geht, laden wir alle Mitglieder zu einer Baustellenbegehung ein auf Samstag, den 20. August, 11:00 Uhr im Rahmen des 5. Leipziger Wasserfests, das in diesem Jahr vom 19. bis 21. August stattfindet. Bis dahin viele Grüße und einen schönen Sommer! Niels Gormsen
In Leipzig verändert sich die Gewässerlandschaft mit riesiger Geschwindigkeit.
In diesem Jahr sind so viele Gewässerbaumaßnahmen begonnen worden wie noch nie! Über den Stand der Baumaßnahmen wird nachfolgend berichtet, ebenfalls über den Stand einiger geplanter Vorhaben. Dies betrifft die Öffnung des Pleißemühlgrabens in zwei Abschnitten, (1) BA 8 zwischen Wundt- und Paul-Gruner-Str. und (2) BA 6 zwischen Riemann- und Beethovenstraße. Weiterhin geht die (3) Freilegung und Verlegung des Elstermühlgrabens im Bereich des ehemaligen (und zukünftigen?) Ranstädter Steinwegs zügig voran. Die Fußball-Weltmeisterschaften bestimmen hier das Tempo. Mit dem Baubeginn der (4) Schleuse zwischen Cospudener See und Waldbad Lauer wird ein bedeutendes Gewässer verbindendes Bauwerk errichtet. Nicht unerwähnt bleiben die weiteren eingeleiteten Aktivitäten zur verbesserten Schiffbarkeit im Leipziger Raum, wie zu (5) geplanten Stadthafen an der Elster zwischen Schreberbad und Käthe-Kollwitz-Straße, (6) Durchstich Karl-Heine-Kanal und (7) Verbindung Zwenkauer See – Cospudener See. Über die Planungen im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz wie Öffnung der Alten Elster und Freilegung von Elster- und Pleißemühlgraben wurde u.a. in den Mitgliederbriefen vom September 2003 / Dezember 2003 / Januar 2004 und in NEUE UFER Heft Nr. 7 berichtet.
1. Pleißemühlgraben BA 8
Der Ausbau des geöffneten Flusses zwischen Wundt- und Paul-Gruner-Straße geht zügig voran: Die eigentlichen Wasserbau-arbeiten, wie Ufermauern, Sohlbeton einschließlich der Abschlüsse an der Spießbrücke (Wundtstraße) und der Sidonienbrücke (Paul-Gruner-Straße) sind beinahe vollendet. Nunmehr liegt der Schwerpunkt der Bauarbeiten in der Gestaltung des Geländes beiderseits des Flusses. Dazu gehören u. a. der Rad-/Gehweg parallel zum Gewässer einschließlich Wegbrücke und Wasserspielplatz mit dem nachempfundenen Schiffskiel.
2. Pleißemühlgraben BA 6
Im Zusammenhang mit dem Bau der Tiefgarage südlich des Bundesverwaltungsgerichtes wird der Pleißemühlgraben zwischen Riemann- und Beethovenstraße erst dann komplett geöffnet, wenn das oberste Garagengeschoss in dem betroffenen Bereich fertig gestellt und die Baustelleneinrichtung der ausführenden Betriebe beseitigt sind. Nach deren Mitteilung soll der „Deckel“ der Tiefgarage voraussichtlich im September d. J. mit Erdmassen aufgeschüttet werden. Zur Zeit wird die Brücke Beethovenstraße errichtet. Die hierfür benötigte Betonschalung liegt auf gekürzten Trägern der alten Brücke, die sich damit noch einmal vor ihrer Verschrottung nützlich erweisen. Ängstliche Passanten hatten schon befürchtet, dass diese Träger wegen Geldmangels noch einmal in die neue Brücke eingebaut würden. Das Wasser des PMG wird – zwar in geringer Menge – im Baustellenbereich durch PVC-Rohre geleitet.
3. Elstermühlgraben BA 1 (Jahnallee)
Die Stahlbeton-Ufermauern, die als so genannte Schlitzwände (überschnittene Betonpfähle), hergestellt werden, sind in großem Umfang eingebracht, der Flusslauf z. T. schon gegraben. Sie sind die Voraussetzung für den Bau der neuen Straßenfahrbahn mit der Gleistrasse der Straßenbahn. Außerdem bilden sie die Widerlager für die am östlichen Ende der Jahnallee zu errichtenden Brücke, deren südlicher Teil fertig gestellt ist. Bemerkenswert ist hierbei die wegen des gekrümmten Flusslaufs sich fächerförmig vergrößernde Deckenplatte, die durch einen kräftigen Randbalken gestützt wird. Hier verlaufen zukünftig die südliche Fahrbahn und ein Gleis der Straßenbahn. Zur Sicherung der Flusssohle in diesem Bereich mit Unterwasserbeton war wegen hohen Grundwasserstandes sogar der Einsatz von Tauchern erforderlich. Gleichzeitig wurden Sicherungmaßnahmen (Spannanker/Unterpressungen an dem aufwendig sanierten Gebäude Thomasiusstraße 1 vorgenommen, das hinsichtlich der architektonischen Elemente der ehemaligen „Kleinen Funkenburg“ sehr verwandt ist und in dem heute der Landeswohlfahrtsverband Sachsen sein Domizil hat.
4. Schleuse Cospudener See / Waldbad Lauer
Am 06.06.2005 wurde der offizielle Spatenstich für das bedeutende Bauwerk des Gewässerverbundes im Südraum von Leipzig durchgeführt. Als kombinierte Schleusen- und Wehranlage wird sie - etwa parallel zur Brückenstraße an-geordnet - den Cospudener See mit dem Verbindungskanal Waldbad Lauer verknüpfen. Die Schleusenabmessungen von etwa 20.0 x 4.0 m bei ca. 0,9m Höhenunterschied sind im Vergleich zu den Schleusen des Main-Donau-Kanals ( 190,0 x 12,0 bei max. 26,7 m Höhendifferenz ) zwar „klein“, jedoch auch zukünftig für größere Fahrgastboote mit geringem Tiefgang oder mehrere kleine Sportboote ausreichend. Voraussetzung für die Errichtung sind ein Umlaufkanal und ein wasserdichter Spundwandkasten in entsprechenden Ab-messungen, die schon ausgeführt sind. Bis zum Jahresende müssen die Bauarbeiten - auch wegen der Finanzierung – abgeschlossen werden. Bauherren sind LMBV und Stadt Leipzig.Um bis zum Palmengarten-Wehr schippern zu können, gibt es dann noch zwei Hindernisse: Die Brückenstraßen-Brücke ( S 46 ) , an Stelle des jetzt vorhandenen Doppelrohr-Durchlasses, und die Schleuse Connewitzer Wehr. Mit dem Bau der genannten Brücke will die LMBV voraussichtlich im nächsten Jahr beginnen. Am Connewitzer Wehr soll nach Angaben von Frau von Fritsch möglicherweise eine Bootsrutsche (als Provisorium?) vorgesehen werden. Sie soll ähnlich einer Sommerskischanze ausgeführt werden, aber gleichzeitig als Fischpass dienen. Die Boote würden dann auf einer schiefen Ebene mit einer Slipanlage bewegt werden. Damit bräuchte kein zweites Boot bereit gehalten zu werden.
5. Stadthafen
Zum geplanten Stadthafen an der Weißen Elster, am Schnittpunkt der zukünftigen Alten Elster und dem Beginn des Elstermühlgrabens werden nach Angaben des AfU weitere Untersuchungen geführt, mit dem Ziel, Investoren zu finden, die das Gebiet bebauen, einschließlich den Hafen.
6. Durchstich Karl-Heine-Kanal
Voraussetzung zum Herstellen der Verbindung des Karl-Heine-Kanals mit dem Lindenauer Hafenbecken sind Veränderungen der Eigentumsverhältnisse in dem Trassenbereich. In der 11. Ratsversammlung (Mai 05) wurde daher beschlossen, den städtischen Grundstückserwerb für die perspektivische Baumaßnahme einzuleiten, u. a. mit der Deutschen Bahn.
7. Verbindung Zwenkauer See – Cospudener See
Zwenkaus Bürgermeister H. Ehmke und der Regionale Planungsverband Westsachsen „kämpfen“ für eine günstigere touristische Anbindung des zukünftigen Zwenkauer Sees an den Cospudener See. Der bisher etwa 3,5 km lange Kanal (Floßgraben), der der Entwässerung des Zwenkauer Sees dienen soll, wird nicht den für eine Bootsfahrt erforderlichen Querschnitt erhalten. Viel schwerwiegender wirkt sich dann der stark schwankende Wasserstand des Zwenkauer Sees aus, der ja als Elster-Hochwasser-Reservoir dienen soll. Somit wäre die direkte, viel kürzere, touristisch attraktivere Verbindung zwischen den Seen zu realisieren, die aber mit dem wegen Naturschutzes gesperrten Südteil des Cospudener Sees zur Zeit noch kollidiert. Ein Kompromissvorschlag liegt vor. Hoffentlich ist die A38-Brücke dann den neuen Erfordernissen angepasst.
Kurz berichtet
4. Leipziger Auensymposium
Am 16. April 2005, am Tag des Leipziger Auwaldes, war zum Thema „Der Leipziger Auwald und das Wasser“ ins Neue Rathaus und zu Exkursionen eingeladen worden. Engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus wissenschaftlichen Einrichtungen sowie Institutionen und Ämtern berichteten über Aktivitäten, die zur Erhaltung des Auwaldes beitragen, und veranschaulichten, welche Bedeutung der Leipziger Auwald für den Hochwasserschutz der Stadt Leipzig hat.
Die Jahresmitgliedervollversammlung
fand am 06.06.2005 im Vereinshaus „Wasser-Stadt-Leipzig e.V.“ statt. Ein Protokoll wurde an jedes Mitglied versandt.
100-jährige Eibe
Die im Mitgliederbrief vom Juli 2004 erwähnte etwa 100-jährige Eibe existiert nicht mehr. Das Experiment, den alten Baum vom Platz vor dem ehemaligen Gewandhaus - heute Baustelle Tiefgarage – in den Johannapark zu verpflanzen, ist leider fehlgeschlagen. Obwohl der Versuch, den Baum zu erhalten, bewundernswert ist, hat sich das bewusste Sprichwort doch bewahrheitet.
Stadthäuser „An der weißen Elster“
Die 27 Reihenhäuser an der Holbein- Ecke Industriestraße - das Plagwitzer Seniorenheim mit den abgetreppten Geschos-sen liegt vis-à-vis - wurden von den Stelzenhaus-Architekten Weiß & Volkmann entworfen und sind bald bezugsfertig. Sie sind deshalb besonders erwähnenswert, da ein großer Teil der Häuser eigene Bootsanlegestellen besitzt, die an einem von der Weißen Elster abzweigenden neu gebauten Stichkanal (gegenüber der Einmündung des Karl-Heine-Kanals), angelegt wurden. Damit wird der Stadtteil Plagwitz immer attraktiver.
Wasserstadt Leipzig erleben
Für den Aufbau eines Informations- und Leitsystem für die Leipziger Gewässer setzt sich die Stiftung Bürger für Leipzig ein (siehe auch Mitgliederbrief Juli 2004). Das genannte System soll praktische Orientierungshilfe für den Wassertourismus bieten und die Identifikation der Leipziger mit ihren Gewässern stärken. Als erster Abschnitt sollen die Schilder zwischen dem Cospudener See und dem Palmengartenwehr – über Floßgraben, Pleiße und Elsterflutbett - und von dort über die Weiße Elster flussaufwärts bis zum Bootsverleih Herold realisiert werden, da bis 2006/07 eine schiffbare Verbindung bis zum Cospudener See hergestellt sein wird. Hierfür sammelt die Stiftung gemeinnützige Spenden.
Neuer Lastenkahn
Da die durch den Verein Wasser-Stadt-Leipzig e.V. zum Wasserfest 2002 eingesetzte Schute wegen Undichtigkeiten ihren Fahrbetrieb einstellen musste, erklärten sich Idealisten bereit, eine neue zu bauen. In alten Zeiten wurden diese Lastkähne zum Transport von Gütern jeglicher Art, auch beim Bau des Karl-Heine-Kanals eingesetzt. Zukünftig soll der Kahn touristischen Zwecken dienen. Die „Schute Luise“ ist nunmehr fertig gestellt und kann eingesetzt werden. Der Name soll sich an die Luisenbrücke anlehnen, über welche die Lützner Straße geführt wird und die bei dem geplanten Durchstich Karl-Heine-Kanal – Lindenauer Hafen Bedeutung erlangt. Der Liegeplatz ist derzeit die Anlegestelle am Stelzenhaus.
Exkursion nach Altenburg
Die gemeinsam mit dem Verein Musikviertel e. V. geplant gewesene Ausfahrt unter dem Motto „Wasserbau und Stadtraumgestaltung an der Blauen Flut in Altenburg“ ist wegen Mangels an Teilnehmern leider ausgefallen.
Funkenburgfest
Am 9. Juli fand wieder das traditionelle Funkenburgfest statt, an dem sich unser Verein zusammen mit Pro Leipzig e. V. beteiligte (gemeinsame Standbetreuung ). Bei gutem Wetter wurden viele interessante Gespräche geführt und Literatur verkauft.
Freistaat wird Eigentümer von Tagebauseen
Laut Informationen der LVZ vom 14.07.05 sind die bei der Mitgliederversammlung diskutierten Fragen zur Eigentümerschaft der Tagebauseen wohl geklärt. Mit der LMBV sei ein Eck-punktepapier erarbeitet worden, das die Übernahme der Seen durch den Freistaat vorsieht, wenn bestimmte Kriterien – beispielsweise zur Wasserrahmenrichtlinie – erfüllt werden. Außerdem hat sich lt. LVZ vom 22.07.05 Markkleeberg zum Zweckverband Neue Harth bekannt, so dass die Bergfolgelandschaft nun mit vereinten Kräften weiter entwickelt werden kann.