Liebe Mitglieder, liebe Freunde des Fördervereins
NEUE UFER e. V.,
kurz vor Ende des Jahres 2006 sollen Sie noch einen Gruß von unserem Verein erhalten, der Sie über den neuesten Stand unserer Vereinsarbeit und der Aktivitäten rund um die Leipziger Mühlgräben informiert. Da wir aber mit dem ausführlichen Protokoll über die Mitgliederversammlung schon viele Informationen gegeben haben, enthält dieser Brief nur Ergänzungen.
Vor einem Jahr informierten wir darüber, dass die Ausstattung des neuen Wasserspielplatzes mit Wasserspielgeräten noch nicht finanziert war und baten um Spenden. Dieser Aufruf hatte zwar unter den Mitgliedern fast kein Echo, wir erhielten aber von der Sparkasse eine Spende von 2900 €, und die Kommunalen Wasserwerke gaben einen Zuschuss von 3000 €. Damit konnte die Wasserpumpe angeschafft und die Leitung verlegt werden. Dafür sind wir sehr dankbar!
Aber noch fehlen die archimedische Wasserförderschnecke und das Wasserschöpfrad. Diese Geräte können leicht nachgerüstet werden. Deshalb erbitten wir erneut Spenden – auch in kleinen Beträgen! Spendenkonto 11 00 81 88 27 bei der Sparkasse Leipzig BLZ 860 555 92.
Wir werden uns weiterhin um die baldige Freilegung des Abschnitts Simson-/Lampestraße kümmern, was aber wieder eine Geldfrage ist und deshalb wohl noch einige Zeit dauern wird – aber wir lassen nicht locker!
Wir freuen uns nun vorerst auf die Fertigstellung des Mendelssohnufers im April 2007.
Mit herzlichen Grüßen wünschen wir ein gesegnetes Weihnachtsfest und für Sie, unseren Verein und unsere Stadt viel Glück und Erfolg im neuen Jahr 2007!
Ihr Niels Gormsen
Baubeginn im Bereich Mendelssohnufer am 07. 11. 2006
Nach der Übergabe des attraktiven Wasserspielplatzes Grassistraße im Juni dieses Jahres sieht ein weiterer Abschnitt des Pleißemühlgrabens (PMG) im Musikviertel seiner Freilegung entgegen: Am 7. November 2006 führte Bürgermeister Heiko Rosenthal den ersten Spatenstich dazu am Mendelssohnufer aus. Fachplanung und Bauoberleitung liegen in den Händen der Büros ISWT und LESG, das Bauunternehmen Otto Heil wird die Arbeiten ausführen. Planmäßig sollen die Bauarbeiten im April 2007 beendet sein.
Inzwischen sind sechs Bauabschnitte mit einer Flusslauflänge von 1015 m geöffnet worden. Mit dem jetzigen Bauabschnitt kommen 75 m geöffneter PMG als ein städtebauliches Kleinod hinzu. Die Freilegung des PMG und die Gestaltung der Uferzone sind in das Gesamtkonzept der Umfeldgestaltung der Tiefgarage „Am Bundesverwaltungsgericht“ eingebettet. Im Zusammenhang mit dem „grünen Deckel“ wird eine weitere Treppenstufe in den PMG eingebaut. Wenn alles fertig ist, werden dann, von der Lampestraße aus gesehen, die ersten Takte des Violinkonzertes e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy zu erkennen sein: Die fünf Steinstufen stellen die Notenlinien dar, die hölzernen Sitzkuben die Noten. Die Idee dazu hatte das Planungsbüro GFSL. An der Südseite des Ufers findet die Platzgestaltung mit der Mendelssohn-Stele Walter Arnolds von 1947 ihren Abschluss. Die vom Förderverein NEUE UFER angeregte Namensgebung Mendelssohnufer nimmt Bezug auf den ehemaligen Standort des Gewandhauses, dessen Kapellmeister Felix Mendelssohn Bartholdy von 1835 bis 1847 war. Der lokalhistorische Zusammenhang soll noch mit einer Hinweistafel erklärt werden.
Mendelssohn gründete übrigens auch das erste Konservatorium Deutschlands. Die heutige Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy" Leipzig befindet sich unweit des Mendelssohnufers in der Grassistraße. Und so wies Niels Gormsen in seiner Rede darauf hin, dass dem CD-Einspiel zum Baubeginn eine richtige Aufführung des Violinkonzertes zur Eröffnung folgen sollte und dieser Ort zu einer besonderen Bühne für künstlerische Darbietungen der Musik- und Schauspielstudenten werden könnte. Erste Gespräche dazu führte er bereits mit der Hochschule.
Mit der Fertigstellung des PMG-Abschnitts am Mendelssohnufer fehlt dann „nur“ noch das Kernstück entlang der Simson- und Lampestraße. Der Förderverein NEUE UFER sieht es als seine nächste und wichtigste Aufgabe an, alles dafür zu tun, dass auch dieser Abschnitt bald ans „Licht“ kommt.
Unser Mitglied Patrick Wiederanders hat hierfür ein Faltblatt erarbeitet, in dem Geschichte, Gegenwart und Projekt dargestellt sind. Bilder aus alten und neuen Zeiten unterstreichen die Dringlichkeit unserer Initiative.
Gerlinde Kämmerer/Joachim Krauskopf
Netzwerktagung Lebendige Gewässer im städtischen Raum
am 30.10. / 31.10.2006
Die Gründungsveranstaltung des neuen Netzwerkes fand im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) Osnabrück statt. Geladen waren etwa 100 Vertreter von Kommunen, Verbänden, Vereinen und involvierten Planungsbüros aus ganz Deutschland. Den Förderverein NEUE UFER repräsentierten Prof. Wolfgang Wachs, Dr. Jochen Wünscher, Dipl.-Ing. Patrick Wiederanders. Erstaunlicherweise blieben diese die einzigen Repräsentanten eines ostdeutschen Freilegungsprojektes.
Der erste Tag bot nach Begrüßung und Einführungsvorträgen die Möglichkeit, sich in Workshops über Konflikte und Probleme im Zusammenhang mit Gewässerprojekten auszutauschen. Dabei kam die so genannte „Open-Space-Methode“ zum Einsatz. Hierbei bilden Anregungen von Teilnehmern die Grundlage zur Bildung einer Arbeitsgruppe. An dieser können sich beliebig viele Interessenten beteiligen. Die Ergebnisse werden direkt in Protokollen zusammengefasst. Konkret bildeten sich dreizehn Arbeitsgruppen, von denen die Vereinsmitglieder der NEUEN UFER vier besuchten. So erbrachte z.B. die Diskussionsrunde „Einbindung engagierter Bürger (Sponsoring, Arbeitseinsätze...)“ wertvolle Anregungen und Hinweise, deren Übertragbarkeit auf Leipzig derzeit geprüft wird.
Während der Pausen sorgte ein „Infomarkt“ für Einblicke in ähnlich gelagerte Projekte in Deutschland. Leider wurde unser Verein vorab nicht informiert bzw. angefragt, ob er diese Präsentations¬möglichkeit wahrnehmen möchte. Nach Rücksprache mit Verantwortlichen der DBU wurde uns doch noch die Möglichkeit eingeräumt, am DBU-Stand unsere Präsentation zu platzieren. Anregende Gespräche entwickelten sich am Abend in dem Lokal „Neue Mühle“, eingerahmt von einem thematisch passenden Kulturprogramm eines Osnabrücker Liedermachers und eines Bochumer Schriftstellers („Wenn die Hase mit der Emscher“).
Zu Beginn des zweiten Tages wurden die über Nacht zusammengestellten Scripte aus den dreizehn Arbeitsgruppen verteilt. Nach einer kurzen Einlesephase wurde aus deren Quintessenz sowie weiteren Wortmeldungen der Teilnehmer eine Satzung für das Netzwerk erarbeitet. Dies geschah „live“ mittels Laptop und Beamer. Dabei zeigte sich eine derart breite Vielfalt mitunter gegensätzlicher Meinungen, Vorstellungen und Wünsche, dass die Durcharbeitung des vorgelegten Satzungsentwurfs aus zeitlichen Gründen nicht mehr möglich war. Daher wurde die Überarbeitung des Entwurfes dem neu zu gründenden Vorstand übertragen.
Dieser wurde zum Abschluss der Veranstaltung aufgestellt und setzt sich aus fünf Mitgliedern und vier Beratern zusammen. Nach Ablauf der etwa einjährigen Aufbauphase wird der vorläufige durch einen regulären Vorstand ersetzt werden. Die Versammlung konnte sich, trotz vorliegender Vorschläge, in der verbliebenen Zeit nicht auf einen Namen für das Netzwerk einigen. Diese Findung obliegt nun ebenfalls dem vorläufigen Vorstand. Die Gründung des bundesweiten Netzwerkes bietet viele konkrete Möglichkeiten, dem Verein NEUE UFER Impulse und Unterstützung zu geben. Inwieweit sich diese Hoffnungen als berechtigt erweisen, wird sich spätestens nach Ende der Aufbauphase des Netzwerkes zeigen. Die Chancen stehen jedenfalls gut, eine Lobby mitzugestalten, welche bundesweit für N e u e U f e r sorgt.
Abgesehen von dem Stand auf dem „Infomarkt“ wurde das dortige Freilegungsprojekt „Hase“ leider nicht näher vorgestellt. Die Teilnehmer des Vereins NEUE UFER verschafften sich jedoch am Anreisetag selber einen Eindruck. Der Fluss begrenzt die Innenstadt im Osten und ist gekennzeichnet von starken Gegensätzen. So wechseln sich idyllische, naturnahe Abschnitte ab mit völlig überformten Bereichen (analog der „Beton-Elster“ bei Knautnaundorf). Der Rückbau letzterer zu einem naturnahen Profil sowie die Ermöglichung der Fischdurchgängigkeit stehen daher als dortige Aufgabe an.
Zum Abschluss sei noch darauf verwiesen, dass unser Förderverein einen erfreulich hohen Bekanntheitsgrad in den alten Bundesländern aufweist. Dies zeigten die zahlreichen Tagungsteilneh¬mer, welche sich während der Pausen an unserem provisorischen Stand versammelten und oftmals bereits vom Projekt gehört hatten oder sogar Detailkenntnis zeigten. Daher werden wir uns im Vorfeld der nächsten Vollversammlung im kommenden Jahr darum bemühen, auch mit einem eigenen Stand vertreten zu sein. Patrick Wiederanders
Neues vom Elstermühlgraben (EMG)
Mit einiger Verzögerung begannen am 23.11.2006 die Arbeiten am letzten Teilstück des 1. Bauabschnitts des Vorhabens „Öffnung EMG“. Die Maßnahme umfasst neben der Herstellung des eigentlichen Gewässers ab Angermühlbrücke bis Einmündung alter EMG/PMG auch die Gestaltung der Freiflächen im Bereich Jacobstraße/ Rosentalgasse sowie die Installation eines Bootsanlegers zur Förderung des Wassertourismus.
Weiterhin werden der Neubau des „Lautenstegs“ realisiert sowie ein Dammbakenverschluss an dieser Stelle eingesetzt, welcher die Funktion des künftiges Angerwehrs bis zu dessen endgültiger Fertigstellung im Zuge des 3. Bauabschnittes (2012) übernimmt. Spätestens nach geplantem Abschluss der gen. Leistungen im Juni 2007 wird der EMG dann auch wieder die Bezeichnung „Fließgewässer“ verdienen.
Die Arbeiten im Bereich Jacobstraße/Rosentalgasse werden aus Mitteln der Gemeinschafts-Aufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ durch den Freistaat Sachsen gefördert. Rainer Schaffrath
Was Pleißemühlgraben und City-Tunnel miteinander verbindet
Am 24.10. d. J. wurden interessierte Mitglieder und Gäste an der City-Tunnel-Infobox von unserem Mitglied Peter Flemming zu einem Einführungsvortrag und der Besichtigung von Teilen der Baustelle eingeladen. Wir danken ihm nochmals für seine interessanten und kenntnisreichen Ausführungen zum viel diskutierten Großvorhaben.
Aus dem Bildmaterial konnte man ersehen, dass die Stadt Leipzig als Hauptnutznießer des zukünftigen City-Tunnels mit nur 2,2 % an den Investitionskosten beteiligt ist. Damit werden
wohl überwiegend Grundstücke und Dienstleistungen sowie bestimmte Gestaltungsmaßnahmen beglichen. Obwohl für die DB AG der Tunnel Teil des Rationalisierungsvorhabens Eisenbahnknoten Leipzig ist, trägt sie auch nur mit 2,9 % der Gesamtkosten bei - nämlich einem Teil des Betrages, der für die Sanierung des später wegfallenden Streckenabschnitts Le-Hbf - Le-Stötteritz mit vielen Brücken anfallen würde.
Die neue Nord-Süd-Verbindung mit den Haltepunkten dient überwiegend der Region Leipzig und der wirtschaftlichen Weiterentwicklung der Stadt mit ihren Einkaufspalästen, Gast-stätten, Kultureinrichtungen u. a. und den in der Peripherie liegenden Großbetrieben einschl. Flughafen und Messe.
Aktuell informieren kann man sich auch über das Internet unter www.arge-ctl.de (Los B) und www.citytunnelleipzig.de.
Die neuen Stationen werden in der sog. Schlitzwandbauweise hergestellt. Beim Citytunnel jedoch reichen die Stahlbetonwände bis in die ca. 30 m tiefe, weitgehend wasserundurch-lässige Muscheltonschicht. Wenn die gesamte Baugrube wasserdicht umschlossen ist, dürfte daher beim Freilegen der Baugrube kaum Wasser eindringen, zumal z. T. noch in die Baugrubensohle eine Betonschicht mittels Hochdruckinjektion eingebracht wird.
Um einem im Notfall doch eindringenden Grundwasser zu begegnen, wurden umfangreiche Maßnahmen ergriffen:
Die mächtigen blauen und rosafarbenen Doppelrohrleitungen, die von den Baugruben der zukünftigen Stationen jeweils zum Pleißemühlgraben führen, haben zwei Aufgaben, nämlich das o. g. Sickerwasser a u s den Baugruben abzuführen (Auslauf durch 3. dünneres Rohr) und, wenn doch ein größerer Wassereinbruch erfolgen sollte, Flusswasser als hydrostatischen Gegendruck i n die Baugrube zu leiten.
Nach diesem Konzept wurde bereits beim Bau der Station Bayerischer Bahnhof verfahren, da dort die Sohle flacher liegt und daher Unterwasserbeton hergestellt wurde. Nach Zeitungs-berichten soll es dabei sogar Klagen der Anwohner der Simson-/Lampestraße gegeben haben, die sich über den nächtlichen Lärm beim Einsatz der großen Pumpenaggregate aufgeregt haben. Peter Wangemann
KURZ BERICHTET