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Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig


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ELSTER ANS LICHT. Aktion zur Kennzeichnung der verrohrten Abschnitte des Elstermühlgrabens

von Heinz-Jürgen Böhme | WALDSTRASSENVIERTEL Nr.17/2001, S.4-5

Mit 15 dieser im Original blau/gelben Tafeln mit individuellen Angaben zur jeweiligen Ortsgeschichte wurde der unterirdische Verlauf des Elstermühlgrabens markiert.Mit 15 dieser im Original blau/gelben Tafeln mit individuellen Angaben zur jeweiligen Ortsgeschichte wurde der unterirdische Verlauf des Elstermühlgrabens markiert.

Um den seit vier Jahrzehnten verrohrten Elstermühlgraben ins planerische Blickfeld zu rücken, seinen Verlauf wieder in allgemeine Erinnerung zu rufen, gleichsam für die Bewohner des Viertels, für Anrainer und Stadtverwaltung ein Zeichen für die notwendige Offnung zu setzen, wurde vom Verein PRO LEIPZIG und dem Förderverein NEUE UFER eine Flussmarkierurig durchgeführt. Ihr fordernder und etwas vereinfachender Slogan "Elster ans Licht" lehnt sich bewusst an die gleichartige Aktion für den überwölbten Pleißemühlgraben an, die 1991 für einiges Aufsehen sorgte. Als Termin wurde der 12. Mai 2001 gewählt, der Tag des 1. Leipziger Wasserfestes, mit dem am Lindenauer Hafen für den geplanten Durchbruch vom Karl-Heine- zum Elster-Saale-Kanal geworben wurde.

Zu den wenigen, die übers Wasser kamen, gehörte der unverwüstliche Kurt Beck, der seit vielen Jahrzehnten in der Leipziger Paddelbewegung aktiv ist.Zu den wenigen, die übers Wasser kamen, gehörte der unverwüstliche Kurt Beck, der seit vielen Jahrzehnten in der Leipziger Paddelbewegung aktiv ist.

Treffpunkt für das Elsterunternehmen war die Schreberbrücke am Schreberbad, an der der offene Fluß endet und das Wasser in kaum steigerbarer Symbolik über einen gullyartigen Einlauf in die unterirdische Rohrleitung geführt wird. Der Aufruf an Paddler, Wasserwanderer und Wassersportvereine, möglichst zahlreich mit Booten vorzufahren, verhallte leider ungehört. Trotz besten Wetters waren nur wenige erschienen, so dass das erhoffte Bild nicht zustande kam. Dafür kamen an Land immerhin etwa 70 interessierte und engagierte Bürger zusammen, darunter Vertreter von Ämtern, Stadträte und Mitglieder verschiedener Vereine.

Am Denkmal in der Jahnallee gab es vom Bürgerverein Waldstraßenviertel kulinarische Stärkung und Musik.Am Denkmal in der Jahnallee gab es vom Bürgerverein Waldstraßenviertel kulinarische Stärkung und Musik.

Nach Einführungsworten der Veranstalter ging es dann dem Flussverlauf folgend abschnittsweise voran. Bernd Sikora, der 1995 den Rahmenplan zur Freilegung des Eltermühlgrabens erarbeitet hatte, gab kurze Erläuterungen zur Geschichte, zur Situation und zu möglichen Perspektiven des jeweiligen Standortes. Erste Stationen waren die in den 1920er Jahren verfüllten Abzweigungen der Alten Elster, kurz vor der Friedrich Ebert-Straße, wo ein Bootshafen geplant ist und der Abschnitt entlang der Carl-Maria-von-Weber-Straße, wo sich von der gründerzeitlichen Bebauung die Neubertsche Schwimmanstalt befand.

Mit Polizeischutz über den ehemaligen Standort der Westbrücke im Verlauf der Friedrich-Ebert-StraßeMit Polizeischutz über den ehemaligen Standort der Westbrücke im Verlauf der Friedrich-Ebert-Straße


Am Denkmal des in Napoleons Diensten gefallenen polnischen Fürsten Poniatowski erinnerten Uniformierte des Traditionsvereins Völkerschlacht lautstark an die martialischen Ereignisse vom 19. Oktober 1813 an dieser Stelle.

Wenige Meter entfernt, kurz vor der Lessingstraße, befand sich die Einmündung des von Karl Heine angelegten Dampfschiffkanals, der die Verbindung zum Pleißemühlgraben am Fleischerplatz herstellte und mit Dampfmaschinen betriebenen Schiffen den Personen- und Frachtverkehr von und nach Plagwitz ermöglichte.

Vierfacher Salut für Marschall Poniatowski, der hier am 19.10.1813 "in den Fluten der Elster" den Tod fandVierfacher Salut für Marschall Poniatowski, der hier am 19.10.1813 "in den Fluten der Elster" den Tod fand

Zwischen der Kleinen Funkenburg und dem Denkmal zur Erinnerung an die Sprengung der Elsterbrücke 1813 mündet die Betonrohrleitung in den bereits 1879 abgedeckten Flussabschnitt unter der heutigen Jahnallee. Endpunkt der Aktion, bei der 15 Markierungstateln gesetzt wurden, war der Austritt des Elstermühlgrabens aus seinem unterirdischen Lauf an der Jacobstraße, dem ehemaligen Standort der Angermühle.

Erläuterungen zur Orts- und Fluss<br>geschichte auch in der Thomasiusstraße an der Kleinen FunkenburgErläuterungen zur Orts- und Fluss
geschichte auch in der Thomasiusstraße an der Kleinen Funkenburg

Neben der Präsentation der gerade erschienenen sechsten Ausgabe der Publikationsreihe NEUE UFER und einer improvisierten Freiluftausstellung mit Schautafeln zur lokalen Wassergeschichte kam es dann vor Damboldts Fischladen in der Jahnallee zu zahlreichen Gesprächen, in denen die vielfältigen Chancen, die mit der Rückkehr des Flusses ins Stadtbild verbunden sind, diskutiert wurden.

Abschließend erfolgte eine Besichtigung der spätklassizistischen Kleinen Funkenburg, die nach wie vor durch rigorose Verkehrsplanung gefährdet ist. Dabei verdeutlichen sich sinnfällig sowohl die architektonische Qualität dieses Baudenkmals, als auch die eminente kulturhistorische Bedeutung der städtebaulichen Gesamtsituation, die vor allem durch den Verlauf des Elstermühlgrabens geformt wurde.

Insgesamt war es eine Veranstaltung, die wohl ihren Zweck erfüllt hat - ein amtlich und öffentlich wahrgenommener neuer Anstoß für die in den letzten Jahren zu wenig beachtete Aufgabe der Freilegung und Neugestaltung des Elstermühlgrabens. Darüber hinaus bot sich für viele Teilnehmer die Gelegenheit, wichtige Etappen lokaler Entwicklungsgeschichte kennenzulernen und zu erfahren, in welch hohem Maße der Fluss für den Stadtteil strukturbestimmend war. Über eines war man sich jedenfalls einig, den Mühlgraben zu öffnen und unter heutigen Kriterien nutzungsfähig und erlebbar zu machen, heißt dem Waldstraßenviertel gleichsam die Seele zurückzugeben.

 

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