Förderverein Neue Ufer e.V. Leipzig - Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig || www.neue-ufer.de

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Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig


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DIE WASSERVERSCHMUTZUNG

Die katastrophale Verschmutzung der Pleiße war sprichwörtlich und belastet ihr Image bis heute. Wenige Wasserläufe sind in so hohem Maße durch die Industrialisierung geschädigt worden. Der Fluß galt neben der Emscher als eines der schmutzigsten Gewässer Deutschlands. Dabei hielten sich die Verunreinigungen über Jahrhunderte im Rahmen des Üblichen. Beeinträchtigungen der Wasserqualität durch das Textilgewerbe, die Gerbereien und den Abfall der Siedlungen gab es an vielen Flüssen. Auch im Einzugsbereich der Pleiße traten sie vorrangig im Umfeld der Städte auf. Die durch Altenburg fließende Blaue Flut erinnert bereits dem Namen nach an die frühere Nutzung des Wassers durch eine Färberei. Meist bezogen sich die Verschmutzungen auf bestimmte Flußabschnitte und stellten das ökologische Gesamtsystem nicht in Frage. Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es durch Industrialisierung und wachsende Bevölkerungszahlen zu einer Verschärfung der Situation. Das Wasser wurde intensiver genutzt und stärker verunreinigt, was sich vor allem im oberen Pleißetal und in der Leipziger Gegend bemerkbar machte. Die Verunreinigungen bewirkten eine Erhöhung der Wassertemperatur, so daß der Fluß nur noch selten und später überhaupt nicht mehr zufror.

Nach dem ersten Weltkrieg veränderte sich das Ökosystem der Flußlandschaft in dramatischer Weise. Die Pleiße und ihre Nebenflüsse mußten nun zusätzlich zur Abwasserlast der Textilbetriebe große Mengen von Fettsäuren, Phenolen und anderen chemischen Verbindungen aufnehmen. Die 1916/17 errichteten Anlagen von Regis entstandenen Rückstände wurden 1921 folgendermaßen beschrieben: "Geruch stark teerig. Farbe braun. Trübe, auch nach Filtrieren nicht klar werdend." Zum vollständigen Kollaps und der Umwandlung des unteren Flußverlaufs in eine reine Abwasserkloake führte der Bau der chemischen Werke in Böhlen und Espenhain. Beide Komplexe dienten der Kriegsvorbereitung und besaßen somit auf allen Planungsebenen Priorität. Bereits 1939 produzierten in Böhlen 24 Schwelöfen jährlich etwa 300 000 Tonnen Teer und Öl. Auf die unübersehbaren Umweltschäden wurde kaum Rücksicht genommen. Ab Mitte der 30er Jahre gingen die Verantwortlichen davon aus, daß die traditionellen Wassernutzungen der Pleiße ohnehin nicht mehr gegeben seien. Eine weitere Verschärfung der ökologischen Situation erfolgte durch die rücksichtslose Steigerung der karbochemischen Produktion im zweiten Weltkrieg und die Luftangriffe der Alliierten. Zentrale Teile der Kläranlagen des Böhlener Werks sind durch Bombentreffer zerstört worden.

Auch in der DDR war die Pleiße der Doppelbelastung durch die beiden Industriegebiete am oberen und unteren Flußverlauf ausgesetzt. Hinzu kamen nie bilanzierte Verunreinigungen durch die Landwirtschaft (Düngung, Gülleabfall aus Großtierhaltung) und kommunale Abwässer. Schon die Verschmutzung in und um Werdau bewirkte, daß sich der Fluß bei geringer Wasserführung in "einen stinkenden Pfuhl" verwandelte. Der durch Schadstoffeinleitungen geringer betroffene Pleißeabschnitt zwischen Gößnitz und dem Braunkohlegebiet reichte für eine Selbstreinigung nicht aus. Unterhalb der Einmündung des Gerstenbachs (Abwässer des Teerverarbeitungswerks Rositz und der Stadt Altenburg) begann das Kohlerevier, lagen die Betriebe von Regis-Breitingen, Deutzen, Lobstädt, Großzössen, Böhlen und Espenhain. Nach dem Zufluß der Gösel (Werk Espenhain) verbreitete der Fluß einen penetrant chemisch-medizinischen Geruch und war in der Nähe der Wehre oft über Hunderte von Metern mit kakaobraunem, rosarotem oder weißem Schaum bedeckt. Einzelne, durchaus aufwendige Maßnahmen wie der Bau neuer Abwasseranlagen in Espenhain änderten daran - angesichts der völlig verschlissenen Produktionsanlagen - nur wenig.

 

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