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Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig


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PROJEKT: STADTHAFEN

Die Idee eines Stadthafens nahe der Kreuzung von Käthe-Kollwitz- und Friedrich-Ebert-Straße wird hier mit zwei Ideen für deren Verwirklichung dokumentiert.
Zum einen handelt es sich um Gestaltungsvorschläge aus der 3. Messeakademie "Blau trifft Grün" und zum anderen um eine Diplomarbeit für den Studiengang Architektur an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig:


3. Messeakademie "Blau trifft Grün"

Anlässlich der BauFach 2001 veranstalteten Leipziger Messe und die Stadt Leipzig eine Messeakademie für junge Studierende deutschsprachiger Hochschulen für Architektur, Städebau, Landschaftsplanung unter dem Motto "Blau trifft Grün".
Anknüpfend an die Erfahrung, dass bei der Erneuerung städtischer Gebiete die Einbeziehung natürlicher Standortfaktoren wie Fließgewässer und innerstädtischer Grünbereiche eine immer größere Rolle spielt, wurden bei der 3. Messeakademie die Verbindungselemente Wasser und Grün zwischen der Inneren Westvorstadt und dem Stadtzentrum als Aufgabe gestellt.

38 Teilnehmer arbeiteten in fünf Arbeitsgruppen unter anderem an Gestaltungsvorschlägen für einen Stadthafen. Auch der Preis der Messeakademie ging an eine Bearbeitung dieses Themas.

Luftaufnahme vom Oberlauf des Elstermühlgrabens. Ausgangspunkt für die Wettbewerbsbeiträge der 3. Messeakademie "Blau trifft Grün" und der Diplomarbeit des Neue-Ufer-Mitglieds Patrick Wiederanders'Luftaufnahme vom Oberlauf des Elstermühlgrabens. Ausgangspunkt für die Wettbewerbsbeiträge der 3. Messeakademie "Blau trifft Grün" und der Diplomarbeit des Neue-Ufer-Mitglieds Patrick Wiederanders'

Der Stadthafen - WassERlebbar machen von Patrick Wiederanders | WALDSTRASSENVIERTEL, Nr.17/2002, S.12 -16

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Die Aufgabe
Die im folgenden Beitrag vorgestellte Diplomarbeit "Der Stadthafen - WassER-lebbar machen" wurde im Zeitraum von April bis Juli des vergangenen Jahres an der HTWK Leipzig für den Studiengang Architektur (Vertiefung Städtebau) erstellt. Das Thema wurde von mir frei gewählt, da mich die Schnittpunkte von Architektur und Wasser im Allgemeinen, sowie die Lage und Potenzen des Elstermühlgrabens bei dessen Durchfluss durch das Waldstraßenviertel im Besonderen, stark inspirieren.

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Die Lobbyarbeit des Vereins "Neue Ufer", dem ich selbst angehöre, war in der Vergangenheit (zu) stark auf den Pleißemühlgraben konzentriert, obwohl der Elstermühlgraben aus wassertouristischer Sicht die größeren Potenzen aufweist. Daher lag für mich der Entschluss nahe, das bis dahin weitgehend unbeachtete Fließgewässer in einer städtebaulichen Studie zu untersuchen und Lösungsansätze für seine zeitgemäße Wiederfreilegung zu formulieren.

Der Ort
Der Ort, welcher das Thema dieser Diplomarbeit repräsentiert, schließt sich unmittelbar an das Zentrum von Leipzig an. Dieses Gebiet zählt zu den ältesten Siedlungskernen der Stadt. Heute ist es von hochwertigen Gründerzeitbauten und einer hohen urbanen Dichte geprägt.

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Das Plangebiet befindet sich an der Schnittstelle von drei Stadtvierteln: dem Waldstraßenviertel, dem Bachviertel und der Inneren Westvorstadt. Die Hauptverkehrsachsen Jahnallee und Käthe-Kollwitz-Straße durchqueren das Gebiet in Ost-West-Richtung und begrenzen außerdem das Untersuchungsgebiet. Die Friedrich-Ebert-Straße als Nord-Süd-Achse ist gleichzeitig die Zäsur zwischen den hochverdichteten Wohnquartieren und dem naturnahen Areal, welches sich bis zum Palmengartenwehr erstreckt und im Anschluss daran mit dem Auwaldgürtel verknüpft ist. Lange Zeit prägten und vereinnahmten zahllose Fließgewässer und Sumpfwiesen dieses Gebiet.

Die Historie
Die Gewässer in Leipzig waren schon immer von immenser wirtschaftlicher, militärischer und existenzieller Bedeutung für die Stadt. Nicht zuletzt deswegen wurde Leipzig östlich einer weitläufigen Flussauenlandschaft gegründet. Durch das Wachstum der Stadt und ihrer vorgelagerten Siedlungen wurden viele massive Eingriffe in den Gewässerhaushalt notwendig. Dabei wurden u.a. Mühlgräben ausgehoben, die den Bau von Wassermühlen in Stadtnähe erst ermöglichten. Der Elstermühlgraben wurde im 11./12. Jahrhundert angelegt und diente der um 1200 errichteten Angermühle (an der Jacobstraße) als Antriebskraft. Das Areal an der heutigen vorderen Jahnallee wurde 1212 mit einer Fischersiedlung überformt. Im Laufe der Zeit ließen sich hier Gerber und Färber nieder. Dieses Gebiet wurde später die Rannische Vorstadt genannt und gehört zu den ältesten Teilen der Stadt. Im 18. Jahrhundert beherbergten die westlich vorgelagerten Areale der Stadt große Gärten reicher Leipziger Händler (Apels Garten, Gerhardscher Garten). So verzeichnet das Leipziger Adressbuch 1731 insgesamt 31 sehenswerte Bürgergärten allein in der Westvorstadt.

Der Ranstädter Steinweg (Teil der ehemaligen Via Regia), der die Rannische Vorstadt durchquert, war jahrhundertelang die einzige befahrbare Straße durch das Auengebiet nach Westen. Deshalb kam ihm während der Völkerschlacht am 19. Oktober 1813 große strategische Bedeutung zu. Durch die vorzeitige Sprengung der Elsterbrücke am Ranstädter Steinweg beim Rückzug der napoleonischen Truppen wurde vielen Franzosen die einzige Fluchtmöglichkeit genommen. So ertrank auch der polnische Fürst Poniatowski bei dem Versuch, den Elstermühlgraben zu durchqueren. Doch bei den Alliierten gab es dadurch ebenso große Verluste.

1842 entstand an der heutigen Ecke Friedrich-Ebert-Straße/Carl-Maria-von-Weber-Straße die erste Flussschwimmanstalt in Leipzig. Um 1850 wurde die damalige Weststraße (Friedrich-Ebert-Straße) angelegt. Direkt auf dem für den Stadthafen vorgesehenen Plangrundstück wurde 1853 die weltberühmte Pianofabrik Blüthner erreichtet. Das Werksgelände nahm um die Jahrhundertwende das gesamte Areal zwischen Elstermühlgraben, Weststraße (Friedrich-Ebert-Straße), Plagwitzer Straße (Käthe-Kollwitz-Straße) und Schreberstraße ein. 1966 wurde das heute noch beliebte Schreberbad am Mühlgraben eröffnet. Es stellte den Ersatz für die geschlossene Flussschwimmanstalt dar. Da das Gebiet um die Weststraße stark von jährlichen Hochwassern gefährdet war, wurden Hochwasserschutzmaßnahmen ergriffen. Auf Initiative Karl Heines füllte man östlich der Straße ca. 2 m auf. Die Uferböschungen der Flussläufe erhöhten sich derart, dass der Elstermühlgraben größtenteils in Steinmauern gefasst werden musste. Dadurch wurde, u.a. auf dem Gelände der ehemaligen Schwimmanstalt, neues Bauland geschaffen.

Durch intensive Bebauung des Areals wurde mit dem Ausbau des Ranstädter Steinweges (heute Jahnallee) 1879 die Angermühle abgerissen und der Mühlgraben in diesem Bereich überwölbt.

In der schlimmsten Bombennacht Leipzigs, am 4. Dezember 1943, sind große Teile der Westvorstadt in Schutt und Asche gelegt worden, mit ihnen auch die Pianofabrik. Dabei wurde auch die Rannische Vorstadt zerstört. Bei deren Wiederaufbau in den 1950er Jahren wurde die städtebaulich höchst unbefriedigende Situation eingangs der Jahnallee geschaffen, die über keinerlei Aufenthalts- und Wohnqualitäten verfügt. Damit wurde der Grundstein für die heutige Verödung der ehemaligen Prachtstraße gelegt.

Ab den 1940er Jahren setzte eine verstärkte Verschmutzung der Stadtgewässer durch die Abflüsse der Karbochemie ein. Die intensivierte Kontamination der Gewässer führte zwischen 1963 und 1965 zur weiteren Verrohrung des Elstermühlgrabens zwischen Schreberbad und Jahnallee. 1975 errichtete man das heute noch existente Heizhaus am Westplatz, wo sich einstmals die Blüthnerfabrik befand.

Die Leipziger Gewässer
In den nächsten 15 Jahren entstehen auf den ausgekohlten Tagebauen im Leipziger Südraum zahlreiche Seen sowie ausgedehnte Naherholungsflächen. Der Umfang dieser Landschaftsmodellierung ist deutschlandweit einzigartig. Dadurch bekommt die Großstadt Leipzig ausgedehnte Naherholungsgebiete in guter Erreichbarkeit, die bis dato qualitativ und quantitativ nur unzureichend vorhanden waren. Freizeitangebote am und auf dem Wasser spielen dabei die zentrale Rolle.

Das Plangebiet dieser Diplomarbeit, der Oberlauf des Elstermühlgrabens liegt an zentraler Stelle der Stadt, nur ca. 600 m vom Innenstadtring entfernt. Der Grundgedanke der Arbeit beruht auf der Idee, eine Verknüpfung der City mit den Erholungsflächen im Südraum zu erreichen. Durch ein Wassersport-Kompetenzzentrum auf dem Gelände eines ehemaligen Heizkraftwerkes soll ein zentraler Anlaufpunkt für Wassersportler, Wochenendausflügler und Touristen entstehen, der WassERlebbar macht. Dabei spielt das Wahrnehmen des Überganges von der (noch) relativ unbekannten Wasserseite Leipzigs über den Leipziger Auwald zu den südlichen Freizeitflächen eine zentrale Rolle.

Der Masterplan
Die Freilegung des Elstermühlgrabens ist nur dann sinnvoll, wenn das angrenzende Stadtviertel einen großen Impuls in seiner Entwicklung bekommt. Einerseits bringt das Wasser städtebaulich interessante alte und neue Schnittpunkte im Quartier hervor. Andererseits ist die eigentliche Funktion als Antriebsquelle für eine Wassermühle seit 1879 ebenso Geschichte, wie die Nutzung als Transportweg. Somit muss der Sinn der Freilegung eines derartigen Gewässers in heutiger Zeit kritisch hinterfragt werden. Reine Stadthistorie darf hier nicht als einzige Begründung herhalten. Da die an den verrohrten Verlauf grenzenden Gebiete zu den Quartieren mit den geringsten Sanierungsquoten gehören, kann die zukünftige Lage am Wasser einen Attraktivitäts- und Investitionsschub bringen.

Hauptschwerpunkt beim Stadtumbau im Quartier stellt die Entsiegelung von Blockinnenhöfen dar. Dem Bachstraßenviertel kommt dabei zugute, dass es in Zukunft zwischen zwei Parks positioniert sein wird. Somit wird die Lagegunst die Nachteile der hohen Dichte innerhalb der Blöcke bereits stark mildern. Die größten Potenzen für einen Stadtumbau am und durch Wasser weisen der Block am Auslauf des Elstermühlgrabens (zwischen Peterssteg und Heiligenbrücke) sowie der an der Südseite der Carl-Maria-von-Weber-Straße auf. Diese hochverdichteten Quartiere schöpfen bisher keinen Nutzen aus ihrer vorhandenen bzw. zukünftigen Lage am Wasser. Der Sanierungsstand ist bei beiden gering sowie die städtebauliche Struktur durch Kriegslücken und baulichen Wildwuchs in der DDR fragmentiert.

Durch die exzellente Lage des ehemaligen Heizkraftwerkes am derzeitigen Einlauf des Gewässers, bei einer fußläufigen Entfernung vom Stadtzentrum, bietet sich eine wassersportorientierte Nutzung des Geländes sowie des gesamten Elstermühlgrabens geradezu an.

Der uferbegleitende Rad-/Gehweg am Mühlgraben offeriert eine neue attraktive Verbindung von der City zum Palmengarten und weiterhin zum Auwald. Durch diesen Weg gelangt man vom Brückensprengungsdenkmal an der Jahnallee über das Poniatowskidenkmal, den Stadthafen und das Schreberbad bis zum Palmengarten. Entlang der Route liegen Gebäude verschiedener Bauepochen sowie interessante historische Zeugnisse. Von diesem Hauptweg gehen mehrere Stiche zu attraktiven Zielen ab, wie zum Sportforum und zum Johannapark. Entlang des Elstermühlgrabens gibt es im Bereich der Käthe-Kollwitz-Straße noch Potentiale für eine behutsame Verdichtung mit Stadtvillen am Wasser. Dabei stellt der Verkehrslärm allerdings ein großes Problem dar. Durch passive Schallschutzmaßnahmen sowie der konsequenten Ausrichtung zum Mühlgraben hin kann diese Lageungunst aber weitgehend minimiert werden. Die große Freifläche zwischen Jahnallee, Marschnerstraße, Käthe-Kollwitz-Straße und Friedrich-Ebert-Straße wird durch Neustrukturierung zum attraktiven Naherholungszentrum aufgewertet.

Dabei unterteilt die historische Kleingartensparte Dr. Schreber den Aupark in drei Bereiche. Nördlich der Kleingärten inszeniert ein Park die Geschichte des Gebietes. Eine Wasserachse unterteilt ihn wiederum in zwei Zonen. Die Nordöstliche symbolisiert die undurchdringliche Flussaue als Urzustand, während die Südwestliche die Struktur der Kleingartenanlage aufgreift und als Wasserwege neu interpretiert und somit die Erschließung und Kanalisierung der Oberflächengewässer des Areals darstellt. Die Kleingartenanlage als zweites Element wurde weitestgehend in ihrem historischen Zustand belassen, lediglich die Durchwegung wurde verbessert und durch die hier beginnende Wasserachse eine Verbindung zum sich nördlich anschließenden Park geschaffen. Der südliche Teil der zentralen Fläche beinhaltet in einer naturnahen Flussauenlandschaft das alte Schreberbad, welches zum Trainingsbecken umgebaut wurde sowie ein neu angelegtes, selbstreinigendes Ökobad als Freizeitattraktion. Zwei alte Wehre werden in das Konzept ebenso integriert wie ein Wasserspielplatz. Auf der städtischen Uferseite schließen sich dann der Hafen sowie eine Jugendherberge an.

Der Hafen
Für den Schwerpunkt Hafen verfolgte ich aus ca. 20 Varianten nur zwei Entwürfe weiter. Aus Platzgründen sind die Erläuterungen und Abbildungen auf die favorisierte der beiden Planungen beschränkt.

Der Schornstein des ehemaligen Heizkraftwerkes als bedeutende Wegmarke wird in dieser bevorzugten Variante als strukturierendes Element verstanden.

Eine Promenade trennt das Hafenbecken vom Mühlgraben und erschließt über eine Brücke den inselartig im Hafen liegenden Schornstein. Dieser wird von zwei kreisrunden Holzstegen umschlossen, welche zwei verschiedene Höhenniveaus aufweisen und durch eine barrierefreie Rampe verbunden sind. Von dem äußeren, knapp über Wasserspiegel liegenden Kreisring aus werden die Bootsanlegestege erschlossen. Die Wasserung der Boote erfolgt an der Südwestseite des Hafens über die Schreberstraße.

Der erweiterte Parkplatz südlich der Käthe-Kollwitz-Straße offeriert Abstellmöglichkeiten für den Individualverkehr. Drei Baukörper an der Nordseite dieser Straße beherbergen die infrastrukturellen Einrichtungen des Hafens. In der alten Blüthnervilla befinden sich die zentrale Info des Wassersportzentrums, ein Restaurant sowie Ausstellungsräume zur Geschichte der hier ehemals ansässigen Klavierfabrik. Der stadtauswärts angrenzende villenartige Neubau nimmt den Bootsverleih sowie die Bootsreparatur auf. Die dritte Stadtvilla wiederum rundet das Angebot mit einem Fitnesscenter sowie Vereinsräumlichkeiten ab. Am nordwestlichen Ufer steht eine Tribünenanlage, die zu einer im Wasser liegenden, temporären Bühne hin orientiert ist. Diese kann zu bestimmten Veranstaltungen an dem angrenzenden Steg errichtet werden und bietet durch die Hafenkulisse mit dem Schornstein ein besonderes Flair.

Bei einer (nicht abgebildeten) zweiten Variante wurde die Strukturierung des Hafens aus der Rhythmik der Grundstücke an der Käthe-Kollwitz-Straße entwickelt. Sie alle orientieren sich zum Elstermühlgraben. Diese Formsprache zugrundelegend entstand eine stark lineare Hafenstruktur. Die Stege sind alle gleich ausgerichtet und auf das Grundstückzugeschnitten. Der Schornstein, welcher auch in dieser Variante erhalten blieb, ist zwar weiterhin formal stark akzentuierend, durch seinen Anschluss an einen Steg allerdings weitaus untergeordneter.

Der Schornstein
Wie schon erwähnt, ist der Schornstein des ehemaligen Heizkraftwerkes mit 85 m Höhe silhouettenprägend im Stadtbezirk. Da er erst 1975 errichtet wurde, ist seine Substanz noch gut erhalten. Die rötliche Ziegelfarbe in Kombination mit der gemauerten Form wirken sehr ästhetisch und erhaben. Des weiteren stand fast an gleicher Stelle seit der Erschließung des Grundstückes ein anderer Schornstein, welcher zur Pianofabrik Blüthner gehörte. Somit steht er symbolhaft für die ehemals industrielle Nutzung des Geländes. Aus diesen Gründen stand es außer Frage, ihn, transformiert als Leuchtturm, in das Hafenkonzept zu integrieren.

Die Brücke an der Friedrich-Ebert-Straße
Im Zuge der Verrohrung des Mühlgrabens in den 1970er Jahren wurde die alte Westbrücke bis auf die Pfeiler abgetragen. Bei einer Gewässenfreilegung ist somit ein Brückenneubau erforderlich. Da die darüberführende Straße viel Verkehr aufnehmen muss, ist es zweckmäßig, den uferbegleitenden Fußweg unter der Brücke hindurchzuführen. Um eine lichte Höhe von 2,50 m zu erreichen, wird der Weg unterhalb des Wasserpegels geführt. Die transparente Abtrennung zum Wasser inszeniert die Passage und symbolisiert das vage Gleichgewicht der Kräfte der Natur am Übergang vom Stadtraum zum Landschaftsraum.

Das Poniatowskidenkmal
In einer städtebaulich undefinierten Grünanlage fristet heute das schmucklose Denkmal sein Dasein. Der Gedenkstein zu Ehren des nahe dieser Stelle ertrunkenen polnischen Fürsten Poniatowski wird trotz seiner exponierten Lage kaum wahrgenommen. Das Konzept zielt daher auf Sichtbarmachen durch Nichtsichtbarkeit.

Durch Absenkung des Geländes auf Wasserniveau wird der Ort den Blicken entzogen und somit das Interesse geweckt. Über einen schmalen Damm sowie eine Treppe gelangt man zu dem auf Wasserspiegel liegenden Gedenkstein. Die Stätte ist über ein kleines Rinnsal, welches den Gedenkstein sachte umspült, mit dem Elstermühlgraben verbunden. In diesem erzeugen wasserverwirbelnde Elemente ein Hintergrundrauschen, dass die latente Gefahr des Gewässers symbolisiert. Durch die dem Stadtlärm entrückte Lage bekommt die Anlage einen meditativen Charakter, vom fernen Rauschen des Gewässers untermalt.

Die Vision
Diese Seite (Anm.: Fotos in der Seitenleiste) möchte anhand von Perspektiven zeigen, wie nach der Wiederfreilegung des Elstermühlgrabens zwischen Schreberbad und Lessingstraße ein städtebaulich äußerst attraktives Quartier entsteht. Um die Visionen anschaulich zu vermitteln, folge man einfach fiktiv dem neu entstandenen Uferweg. Die erste Station ist die neugestaltete Poniatowskigedenkstatte. Durch das Absenken des Geländes auf Flussniveau verschwindet der Gedenkstein aus dem Blickfeld. Durch diesen ungewohnten Geländeeinschnitt wird das Interesse an dem Ort geweckt.

Im weiteren Verlauf gelangt man zu der Unterführung an der Friedrich-Ebert-Straße. Diese verläuft teilweise unter dem Wasserspiegel, lediglich von einer transparenten Abtrennung zum Wasser zu geschützt. Hinter der Friedrich-Ebert-Straße wandelt sich die städtische Uferpromenade in einen naturnahen Weg. Am ehemaligen Steinernen Wehr zweigt ein Weg ab, der über ein Auewiedervernässungsprojekt, dass gleichzeitig einen Schullehrpfad beherbergt, führt. Am Hafen angekommen, sieht man nun aus nächster Nähe den zum Leuchtturm transformierten ehemaligen Schornstein, der dem Wasserwanderer bereits ab der Elsterstraße den Weg weist. Eine Aussichtsplattform in 60 m Höhe bietet einen grandiosen Blick bis zum Cospudener See. Somit können Wasserwanderer ihre Route bereits im Voraus erspähen. Danach bietet ihnen der Hafen alle erdenklichen Dienstleistungen rund um den Wassersport für einen guten Start ins Abenteuer. Der Hafen bietet neben Bootsverleih, Bootsreparatur, Bootsschule und Bootsshop auch Vereinsräume, ein Restaurant, sowie im Sommer eine Freiluftbühne direkt am Wasser mit dem Leuchtturm als Kulisse. Hinter dem Hafengelände, direkt am Mühlgraben errichtet, befindet sich die neue Jugendherberge der Stadt Leipzig. An diesem Standort zu übernachten, bedeutet ideale fußläufige Erreichbarkeit der Innenstadt, bei gleichzeitig großartiger Auenlandschaft sowie vielfältigen Freizeitangeboten direkt vor der Haustür. Die Schlafräume sind alle zum Wasser orientiert, während die Nebenräume den Schall der Käthe-Kollwitz-Straße absorbieren. Hier wird WasserERlebbar gemacht.

 

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