BIOLOGISCHE GEWASSERBESCHAFFENHEIT GEWÄSSERGÜTEKLASSEN
Besonders negativ wirkten sich die Abwässer aus der kohle- und erdölverarbeitenden Industrie in Böhlen und Espenhain auf die Pleiße aus, was Anfang der fünfziger Jahre zum Bau der Pleißewölbleitung und damit zur "Verbannung" eines großen Teils des Pleißemühlgrabens aus dem Stadtbild Leipzigs führte. Zuvor verursachten bereits im Oberlauf Abwässer der Textilindustrie um Meerane, des lndustriestandorts Altenburg sowie die Teerverarbeitung in Rositz eine übermäßige Verschmutzung des Gewässers und seines Nebenflusses Gerstenbach. VOGLER (1966, 67) stellte alpha-mesosaprobe Verhältnisse mit deutlicher Tendenz zur Polysaprobie für den Abschnitt Windischleuba - Stausee Rötha und für den Unterlauf eine polysaprobe Beschaffenheit fest. Die Abwasserbelastung der Pleiße nahm in den folgenden Jahren weiter zu, gegen Ende des letzten Jahrzehnts galt der Abschnitt Leipzig-Böhlen als eines der am stärksten verschmutzten Fließgewässer Mitteleuropas. Ende der achtziger Jahre wurden deshalb in Böhlen und Espenhain biologische Abwasserbehandlungsanlagen gebaut. Ab Mitte 1990 reduzierte die Lastzuführung aus der Industrie durch die Stillegung von Betrieben bzw. Produktionsänderungen drastisch, was im Gegensatz zu anderen Flüssen - wie z. B. der Vereinigten Mulde, zwar zu einer Verbesserung der Gewässergüte um ein bis zwei Stufen, aber noch nicht zu einer ausreichenden Stabilisierung des Sauerstoffhaushalts führte (OFM LEIPZIG, 1991). Neben Flußsedimenten ist hier die verbliebene "Restbelastung mit kommunalem Abwasser als Ursache anzusehen. Bei mittlerem Niedrigwasser am hydrologischen Pegel Böhlen fließen in der Pleiße derzeit rund 1 m3/s Abwasser und Tagebausümpfungswasser (HP LEIPZIG, 1997). Das bedeutet, daß mehr als ein Drittel des Pleißewassers nicht aus dem natürlichen Wasserdargebot des Einzugsgebiets stammt und das Gewässer stark anthropogen beeinflußt ist.
Im Jahr 1997 konnte für den gesamten Pleißeabschnitt im Amtsbezirk die Gewässergüteklasse II-III (kritisch belastet) festgestellt werden. Gegenüber den Vorjahren ist das eine Verbesserung um eine, am Gütepegel Regis im Vergleich zum Zeitraum 1991-1 994 (LfUG, 1995) sogar um zwei Stufen. Im Spätherbst 1997 (UBG, 1998) und Januar 1998 (RP LEIPZIG, 1998) durchgeführte biologische Untersuchungen zeigten zwar jahreszeitlich bedingt einen etwas schlechteren Saprobienindex, doch scheint der zu beobachtende Trend stabil zu sein. Inzwischen werden in der Pleiße auch an-spruchsvolle Tiere wie beispielsweise die Larven von Libellen oder der Köcherfliege Hydropsyche (Abb. 5. 66) in größerer Anzahl gefunden. Besonders eindrucksvoll war der Nachweis von 12 Fischarten im Flußabschnitt zwischen Deutzen und Gaulis im Frühjahr 1997 (SÄCHSISCHE LANDESANSTALT FÜR LANDWIRTSCHAFT, 1997), wobei im letztgenannten naturnahen Abschnitt 10 verschiedene Arten auftraten. Als bemerkenswert ist dabei der Nachweis einer laichreifen Barbe, der Leitfischart der unteren Pleißeregion, bei Deutzen anzusehen. (Abb. 5. 66).