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Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig


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LÄNGS DER PLEISSE - ZUR GESCHICHTE EINER FLUSSLANDSCHAFT

von Dr. Mustafa Haikal | NEUE UFER, Heft 6/2001, S.3-19

Die Pleiße am Dölitzer Wehr, 1930
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Die Pleiße am Dölitzer Wehr, 1930

Die Pleiße ist Leipzigs bekanntester Fluß. So unterschiedliche Künstler wie Friedrich Schiller, Börries von Münchhausen oder Lene Voigt haben über ihn geschrieben. Er gehörte zum Stadtbild, gab Gelegenheit zu großen Volksfesten und Anlaß zu sagenhaften Erzählungen. Und doch hat das Verhältnis der Leipziger zur Pleiße etwas Ironisch-Gebrochenes. Spottverse und humorvolle Liedtexte beweisen das. Nur selten kommt die frühere Bedeutung des Flusses zur Sprache. Dabei hing über Jahrhunderte viel von seiner "Gunst" ab. Überschwemmungen zum Beispiel konnten verheerende Wirkungen haben. Betroffen waren nicht nur die Messestädter: "Es ist ein überaus großes Waßer an vielen Orthen gewesen, welches unsäglichen Schaden an Gebäuden, Getreidich und Scheunen und Ställen gethan, und sind auch viel Menschen und Vieh ertruncken", heißt es 1661 mit Blick auf die Verhältnisse um Altenburg. Einer der frühesten Beiträge über die Pleiße stammt aus dem Jahre 1821. Daten zu den Nebenflüssen und Ortschaften wechseln mit Angaben über die Mühlen, die Fischwirtschaft und die Flößerei. Das Interesse des Autors galt Fragen der Ökonomie. Fast gleichzeitig entwickelte sich eine neue Sicht - die der Romantik. Die Elemente der Landschaft wurden zu Trägern von Gefühlen, zum Spiegel menschlicher Seelenzustände. Auch die Berichte über die Stechkahnpartien auf der Pleiße oder die endlosen Auen vor den Toren der Stadt sind voll empfindsamer Projektionen. Mit der Industrialisierung und der wachsenden Umweltverschmutzung verschwamm dieses Bild. Es beunruhigte, machte wehmütig und war nicht zuletzt ein Politikum. Heute, nach der Stillegung ganzer Industrien und einer deutlichen Verbesserung der Wasserqualität, existieren andere Vorstellungen. Konkrete Pläne und Visionen bestimmen die Diskussion. Grund genug, sich an die wechselvolle Beziehung von Mensch und Fluß, an die Nutzung und den Mißbrauch des Pleißewassers zu erinnern.

 

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