Förderverein Neue Ufer e.V. Leipzig - Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig || www.neue-ufer.de

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Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig


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ALTSORBEN UND DEUTSCHE

Obwohl viele der bronzezeitlichen Rodungsareale in den folgenden Jahrhunderten wieder bewaldeten, wanderten immer neue Bevölkerungsgruppen flußaufwärts. Ihr Aufenthalt an der Pleiße war von wechselnder Dauer. Eine der Bronzezeit vergleichbare Intensität und Dichte der Besiedlung wurde nicht mehr erreicht. Mit dem Beginn der altsorbischen Einwanderung (7. Jahrhundert) begann eine neue Entwicklung. Nach und nach entstanden dicht aufeinanderfolgende Rundlingsdörfer. Meist zwischen Viehweide und Ackerland angelegt, lassen sie sich bis in den Crimmitschauer Raum nachweisen. Die Altsorben bildeten Stammesgebiete, so die Gaue Chutizi am Unterlauf von Pleiße, Elster und Mulde und Plisni im Raum Altenburg. Dem entsprach die Errichtung einer ganzen Reihe befestigter Wallanlagen, die als Adelssitze, Fluchtburgen, Kultstätten und Handelsplätze dienten. Sie befanden sich auf beherrschender Höhe über der Flußaue (Connewitz, Stünzhain) oder in bestimmten nur schwer zugänglichen Teilen der Niederung (Rötha, Schweinsburg).

Nachdem schon Karl der Große Teile der altsorbischen Stämme zu Tributzahlungen und Heerfolge gezwungen hatte, unterwarf Heinrich I. ab 928 das Gebiet östlich der Saale dauerhaft. Ein System von Burgwardbezirken schützte die neue Herrschaft. Deutsche Adlige verwalteten das Land, während die slawische Bevölkerung der Dörfer zum Burgwerk verpflichtet wurde. Im Einzugsbereich der Pleiße existieren um die Jahrtausendwende sechs solcher Burgwardbezirke (Leipzig, Lößnig, Zwenkau, Magdeborn, Rötha/Borna, Altenburg). Die zwischen ihnen verlaufenden Altstraßen folgten vielfach dem Flußlauf und müssen ihn an günstigen Stellen auch überwunden haben. Im 12. und 13. Jahrhundert erfuhr dieses Siedlungsbild einschneidende Veränderungen. Im Verlauf eines großangelegten Prozesses (Ostkolonisation) organisierten die feudalen Grundherren den Zuzug deutscher Bauern. Die Einwanderer gründeten Rundanger-, Straßen- oder Waldhufendörfer und machten auch das Gebiet am Oberlauf der Pleiße urbar. Ortsnamen wie Frankenhausen oder Langenhessen verweisen auf die Herkunft der aus mehreren Richtungen in die Flußlandschaft einrückenden Bauern. Die von den Slawen bewohnten Altsiedelbereiche wurden zum Ausgangspunkt umfassender Rodungsbewegungen. Die Kolonisten drangen von hier in die höher gelegenen Gebiete vor, bis sie auf die vom Nachbarfluß kommenden Siedler stießen. Die sich herausbildenden Flurgrenzen lagen zumeist an den Bächen und Flüssen (oder ihren Wasserscheiden). Im Quellgebiet der Pleiße folgen sie noch heute dem fächerförmig angeordneten Gewässersystem.

Die deutsche Kolonisation und die Steigerung der Bevölkerungszahlen führten nicht nur zur Erschließung weiterer Landschaftsräume, sondern auch zur Entwicklung von Städten. Zumeist an Fernhandelsstraßen und in der Nachbarschaft einer Burg, immer jedoch in Flußnähe gelegen, gewährten und suchten sie Schutz. Leipzig, Altenburg, Crimmitschau und Werdau sind in dieser Zeit entstanden. Während Leipzig aus verschiedenen Siedlungskernen in der Nähe der urbs libzi zusammenwuchs, liegt die Altstadt von Werdau in einer Flußschlinge. Die Existenz der Städte und der gewerblichen Produktion verstärkte die Bedeutung des Flusses. Für die Landschaft waren die Veränderungen des 12. und 13. Jahrhunderts von langanhaltender Wirkung. Die nun existierenden Siedlungs- und Wegestrukturen, die Feld-, Wiesen- und Waldareale hatten mit geringen Korrekturen bis zum Beginn des lndustriezeitalters Bestand.

 

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