Förderverein Neue Ufer e.V. Leipzig - Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig || www.neue-ufer.de

Größe: [+]
Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig


Aktuelle Seiten-Auswahl:

Inhalt der Seite || nach oben springen || Zur Startseite

DIE FLÖSSEREI

Wie die Mehrzahl der sächsischen Flüsse, so ist auch die Pleiße für den Transport von Waren und Gütern ungeeignet. Einzig im Flößereiwesen - genauer bei den Beförderung von Brenn- bzw. Scheitholz - hat der Fluß eine wichtige Rolle gespielt. Hauptnutznießer der Pleißenflöße waren die sächsischen Kurfürsten, die das Recht der Scheitholztrift für sich beanspruchten. Der seit dem Ausgang des Mittelalters wachsende Holzbedarf der Berg- und Hüttenwerke, Salmen und Manufakturen machte die Flößerei zu einem guten Geschäft. Im Einzugsbereich der Pleiße mußte vor allem die Brennstoffversorgung den Städte gesichert werden. So heißt es mit Blick auf die Verhältnisse in Altenburg: "Es werden jährlich 8.000 Scheffel Gerste verbrauet; hierzu sind allein über 1.000 Klaftern erforderlich. In jeder der beiden Kalch- und Ziegelbrennereien wird jährlich 26 bis 28 mal gebrannt, wozu 2.000 Klaftern ebenfalls nicht hinlänglich sind. Rechnet man dazu wenigstens 8.000 Stuben- und Küchenfeuer, die großen und kleinen Brandweinbrennereien, die Töpferöfen, die Schön- und Schwarzfärberey, die vielen Weißbäcken..., so ist man in Verlegenheit, die Frage zu beantworten, woher man so viel Holz nehme.'

Die Initiative für die Errichtung der Pleißenflöße ging von Kurfürst August von Sachsen aus. Darauf bedacht, die Bestände des Werdauer Waldes gewinnbringend zu vermarkten, veranlaßte er gegen 1578 den Beginn der aufwendigen Arbeiten. Mitten im Wald wurde eine Reihe noch heute erhaltener Floßteiche angelegt (z.B. der Elferteich, der Stauweihen, der Rohrteich). Darüber hinaus mußten die entsprechenden Zuflüsse (Leubnitzer Bach, Meißelbach) vertieft oder umgeleitet und die Pleiße instand gesetzt werden. An der Werdauer Angermühle, in Crimmitschau, bei Münsa (unterhalb Altenburgs) und in Lößnig (vor Leipzig) ließ der Kurfürst spezielle Floßplätze mit eisernen Floßrechen einrichten. Bereits im Juli 1579 waren die Vorbereitungen soweit abgeschlossen, daß der Floßhof vor Leipzig eröffnet werden konnte. Der zügige Fortgang der Arbeiten darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Projekt auch auf Schwierigkeiten stieß. Das Amt Altenburg zum Beispiel gehörte seit 1554 den Ernestinern, woraus sich komplizierte Verhandlungen über die Nutzungsrechte am Fluß ergaben.

Der Floßbetrieb selbst erforderte erhebliche Aufwendungen. Geflößt werden konnte nur wenige Wochen im Jahr bei entsprechendem Wasserstand. Die Floßteiche mit den gesammelten Hölzern wurden zu diesem Zweck schwallartig abgelassen. Floßknechte begleiteten die Flöße vom Ufer aus und versuchten, mit langen Stangen einen Stau des Holzes zu verhindern. Beschädigungen der Flußanlagen blieben dennoch nicht aus. Insbesondere die durch Mahlausfälle und Wehrschäden betroffenen Müller erhoben Schadensersatzforderungen. Im Jahre 1579 erhielten sie im Altenburgischen "129 Scheffel [Korn], 172 Stamm Holtz, 18 Schwäll Eichen, 46 Pfahl Eichen, 43 Tännen Seulhöltzer, 35 Tannen Blackenholtz, 15 Tännen Bretbäume und 15 Tännen Höltzen" "gebürhliche Erstattung". Neben den festangestellten Beamten (Floßmeister, Oberaufseher, Floßschreiber, Holzverwalter) gab es eine Vielzahl von nebenberuflichen Bediensteten (Floßknechte, Rechen- und Teichwärter, Holzanweiser). So sorgten die Schmiede von Langenhessen gleichzeitig für eine reibungslose Flößerei im Abschnitt der Dorfflur. Die vom Kurfürsten für die Pleißenflöße eingesetzten Jäger-, Forst- bzw. Floßmeister hatten ihren Sitz überwiegend in Werdau. Im ersten Anlauf scheint die Pleißenflößerei wenig erfolgreich gewesen zu sein. Obwohl sich die Angaben im einzelnen widersprechen, ist bekannt, daß die geflößten Mengen nicht allzu groß waren. Zwischen 1603 und 1611 bezog der Rat der Messestadt nur noch 2.186 Klafter Holz über den von ihm gepachteten Floßhof in Lößnig. Wegen der zu starken Abhängigkeit von der Wasserführung ("weil die Pleiße jehlings aufsteigt und geschwinde wieder wegfällt") und infolge der Erschöpfung der Baumbestände wurde der Transport nach Leipzig daraufhin eingestellt. Durch die Anbindung an das Floßgrabensystem der Elster konnte die Stadt den Verlust ausgleichen. Kurfürst Johann Georg III., der im Jahre 1689 die Wiederaufnahme der Pleißenflößerei veranlaßte, ließ nur noch bis Münsa flößen - ein Geschäft, das sich rentierte. Allein zwischen 1691 und 1695 erzielte die Pleißenflöße eine Einnahme von 25.106 Talern. Anfang des 18. Jahrhunderts flößte man jährlich etwa 9.000 Klafter, wodurch die Einnahmen weiter anstiegen. Warum der Holztransport auf der Pleiße trotz allem zum Erliegen kam, ist nicht vollständig geklärt. Vermutlich trug die Erschöpfung der Holzvorräte dazu bei. Bereits 1701 hatte man deshalb auf die Flößung des Werdauer Holzes über die Elster (Krebsbach) verzichtet. Im allgemeinen wird das Jahr 1733 als Endpunkt der Pleißeflößerei angegeben. Allerdings gab die herzogliche Kammer in Altenburg noch 1804 bekannt, daß "der Preis des Floßholzes beym Verkaufe vom Floßplatze" erhöht werden müsse. Dabei handelte es sich sehr wahrscheinlich um Holz, das über die Sprotte (Floßplatz Großenstein) und die Pleiße bis nach Münsa transportiert worden war.

 

Seitenende || nach oben springen || Zur Startseite