Förderverein Neue Ufer e.V. Leipzig - Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig || www.neue-ufer.de

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Projekt zur Freilegung von Pleiße- und Elstermühlgraben in Leipzig


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DIE STAUANLAGEN

Niedrigwasser, das in der Regel mit langen Dürreperioden einhergeht, war schon seit dem Mittelalter ein Problem. Sank der Wasserpegel unter ein bestimmtes Maß, mußten die Mühlen den Betrieb einstellen. Das konnte schwerwiegende Auswirkungen auf die gewerbliche Produktion und die Versorgung der Bevölkerung haben. So arbeitete zwischen August und Oktober 1545 im altenburgischen Abschnitt der Pleiße keine Mühle mehr, was den Mehlpreis schlagartig in die Höhe trieb. Nach der Industrialisierung des oberen Flußgebiets benötigten vor allem die Textilfabriken eine kontinuierliche Wasserzufuhr. Wiederholt kam es deshalb zu langwierigen Auseinandersetzungen um die Wasserrechte. Als die Stadt Zwickau 1873 das Quellgebiet des Rheinholdsbachs aufkaufte und die Absicht äußerte, das in die Pleiße mündende Wasser umzuleiten, löste dies einen Sturm der Empörung aus. Die Bürgermeister, die Gemeindevorstände, die Industriellen und Mühlenbesitzer des oberen Flußgebiets schlossen sich zusammen und gingen gemeinsam, wenn auch erfolglos gegen die Pläne in Einspruch. Trotz der angespannten Situation dauerte es noch einmal Jahrzehnte, ehe mit dem Bau der Korberbachtalsperre (1926 bis 1929) die Brauchwasserversorgung der Textilbetriebe verbessert werden konnte. Die auf Betreiben einer privaten Aktiengesellschaft am Korberbach errichtete Anlage bedeckt eine Fläche von 50 Hektar. Mit einem Stauvolumen von 2,9 Millionen Kubikmetern dient sie gleichzeitig dem Hochwasserschutz. Die Industrialisierung des unteren Flußbereichs verschärfte auch hier das Problem der Wasserversorgung. Seit Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Stauanlagen in Betrieb genommen. Fast ausschließlich auf die Bedürfnisse der Karbochemie und des Braunkohletagebaus zugeschnitten, unterlagen sie starken Veränderungen. Mehrere von ihnen, so das Pleißestaubecken Markkleeberg, sind später überbaggert worden. Andere bestehen bis heute. Zu den wichtigsten gehören der Stausee bei Rötha (1938 bis 1940) und die Talsperre Windischleuba (1951 bis 1953). Beide verfügen über ein Fassungsvermögen von über 2 Millionen Kubikmetern. Trotz der umfangreichen Baumaßnahmen zur Sicherung des Brauchwasserbedarfs der Industrie war die Wasserkapazität der Pleiße und ihrer Nebenflüsse überfordert. Allein für die Hydrieranlagen des Böhlener Werks (Beginn der Produktion 1935) berechneten die Konstrukteure einen Verbrauch von 750 bis 1500 Kubikmetern pro Stunde. Diese Situation spitzte sich in den folgenden Jahrzehnten zu. Bezogen auf das gesamte Flußgebiet wurden um 1980 etwa 120 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt, während bei niedriger Wasserführung lediglich 70 Millionen Kubikmeter Pleißewasser zur Verfügung standen. Die Differenz konnte nur durch die Zuleitung aus anderen Flüssen (Weiße Elster, Mulde) und durch Tagebausümpfungswässer behoben werden.

Die Zerstörung der natürlichen Landschaftsräume und die Flußverlegungen verstärkten die Hochwassergefahr. Die bereits errichteten Stauanlagen verminderten dieses Risiko nur unwesentlich, da sie in erster Linie der Brauchwasserversorgung dienten. Das Jahrhunderthochwasser vom Sommer 1954 verdeutlichte die Dramatik der Situation. Bedroht waren nicht allein die Siedlungen, sondern auch die Kohlegruben, wie der Bruch des Pleißedamms bei Regis-Breitingen am 10. Juli 1954 bewies (Überschwemmung des Tagebaus Blumroda). Um solche Zustände künftig zu verhindern, wurden bis zum Ende der 70er Jahre mehrere Speicher- und Rückhaltebecken (Borna, Witznitz, Regis-Serbitz, Stöhna) errichtet. Zumeist in Tagebaurestlöchern gelegen, sind sie teilweise geflutet und stellen wertvolle Naherholungs- und Naturschutzgebiete dar. Das von den Bewohnern der Stadt liebevoll-ironisch "Adria" genannte Speicherbecken Borna beispielsweise umfaßt eine Fläche von 240 Hektar. Das Gesamtvolumen der Hochwasserschutzräume im Einzugsgebiet der Pleiße betrug 1997 etwa 70 Millionen Kubikmeter.

 

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